10. Dez. 2017_2. Advent

2. Adventsonntag

Johannes der

Eintunker

3 sorgfältige Sichtweisen über Johannes:

  • Der Eintunker statt der Täufer. Seine Taufe war nicht gedacht zum Reinwaschen, sondern zum Ertränken. Die Taufe des Johannes war kein Reinigungsritus. In der Gemeinschaft in Qumran war es sehr wohl so: die Brüder stiegen täglich (womöglich mehrmals) ins Reinigungsbad, um vor Gott sauber zu erscheinen. Was herkömmlich mit „taufen“ übersetzt wird, kommt vom griechischen Wort BABTIZO und bedeutet eintunken, untertauchen, ertränken. Es ist dasselbe Wort wie wenn ein Schiff untergeht, wie wenn jemand in der Menschenmenge untertaucht, wie wenn man Brot eintunkt in eine Sauce. Jesus sagt beim Abendmahl: „Der mit mir in dieselbe Schüssel eintunkt.“ Mk 14,20

  • Der Milde statt der Grimmige. Maler, Filmemacher und Drohprediger stellen Johannes so dar, als hätte er mit Stimmgewalt den Gläubigen ihre Fehler vorgehalten. Sie berufen sich auf Sätze aus dem Matthäus- und Lukas-Evangelium: „Ihr Schlangenbrut! Meint ihr, dass ihr dem Zorngericht entrinnen könnt?“ Zweifellos war sein Aufruf ernst, aber darin schwingt Besorgnis mit: „Erbarmen“ war seine Mission, nicht „Drohen“. Das war ihm in die Wiege gelegt. Der Name Johannes bedeutet „Gott erbarmt sich“. Er geht zurück auf die Umstände, wie er gezeugt wurde. Seine Mutter war abgestempelt als eine „Sterile“, damals Schande für eine Frau. Heute weiß die Medizin, dass es auch am Mann liegen kann. Es lag tatsächlich nicht an ihr, denn sie wurde schwanger, nachdem ihr Mann einen Denkzettel bekommen hatte. Sie war unendlich dankbar und bekannte: Gott hat Verständnis für mich gezeigt, Gott hat sich erbarmt. Geprägt von so einer Mutter, verkündet der erwachsene, weise prophetische Mann den Scharen, die zu ihm pilgern: „Gott gibt dir eine neue Chance. Er rechnet dir das Vergangene nicht mehr vor.“

  • Nicht „Umkehr“ sondern „Nachdenken und zur Einsicht kommen“. Sind wir uns ehrlich: Wer kann schon sein Leben rückgängig machen? Wer kaNN eine Kehrtwendung machen, um zurück zu gehen? Weichenstellung ja! Das ist möglich und sogar erforderlich. Das Wort METANOIA (griechisch) setzt sich zusammen aus META (= im Nachhinein, hinterher) und NOIA (=Einsicht gewinnen und Schlussfolgerung ziehen). Johannes ruft auf zur Lebensrückschau und zur Kurskorrektur: „Nicht in diesem Trott weitermachen!“ Das bisherige Leben als Heilsweg erkennen – und zwar alle Lebensabschnitte – die glücklichen genauso wie die schmerzlichen. Im Schicksalhaften rückblickend etwas Prophetisches erkennen: Dazu ein Beispiel: Eine Frau beweist in einer wichtigen Position über 10 Jahre ihre Durchsetzungskraft. Plötzlich erhält sie eine Krebs-Diagnose. Nach der schweren Operation, nach der monatelangen Chemo, die sie an die Grenzen treibt, und nach den abschließenden Bestrahlungen stellt sie sich wieder ihren früheren Aufgaben. Wenn sie METANOIA versteht, wird sie nicht so weitermachen wie vorher. Sie wurde eingetunkt und war dem Tod nahe, es wurde ihr eine neue Chance gegeben – wie Schuldtilgung. So verkündet es Johannes.

Propheten heute. Wir sollten uns umsehen. Sie melden sich derzeit deutlich zu Wort, aber sie schreien nicht. Ihre Stimme ist gütig, aber  unbestechlich und sonnenklar. Sie können die Welt nicht umkrempeln, können keine Wunder wirken, aber sie setzen Zeichen: in Kirche und Gesellschaft – Sie weisen auf Ungerechtigkeiten hin, geben den Armen eine Bühne und rechnen die Welterwärmung vor. Sie sind unerlässlich, auch wenn sie manchen lästig erscheinen. Wir brauchen sie persönlich und in der Gemeinde. Paulus erwähnt sie mehrmals als Rückgrat der Christengemeinden. Er reiht diese Begabung ganz vorne in den Aufzählungen im Römer- und Korintherbrief: Röm 12,6; 1Kor 12,28. Wenn die Christenheit hört auf die heutigen Propheten dort und da, wird sie sich vorbereiten und hin entwickeln zu der Gestalt, dass sie „Salz der Erde“ wird.

Mit Reisegruppe an der Taufstelle nahe bei Jericho

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Mag. Martin Zellinger

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