18. Feb. 2018

1. Fastensonntag

Jesus in der Wüste Markus 1,12-15

Schon in der Gründungsphase seines Volkes verlangte Gott von

seinem geliebten Kind, dem Volk,: „Du solltest den ganzen Weg

gehen, den der Herr, dein Gott, dich während dieser 40 Jahre

geführt hat, um dich gefügig zu machen und dich zu prüfen."

Er wollte erkennen, wie du dich entscheiden würdest. (Dtn 8,2)

Genau das geschieht auch mit Jesus, dem geliebten Kind.

 

In der ältesten Jesus-Darstellung, dem Markusevangelium, ist nicht

Fasten das Kernthema in der Wüste, sondern das „Bleiben“. Dabei ist

40 die biblische Zahl für Erprobung.

„Und sogleich trieb der Geist Jesus in die Wüste. Jesus blieb vierzig Tage und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.“ (Mk 1,12f)

  1. Jesus wird „getrieben“ (= dasselbe Wort wie bei der Dämonen-Austreibung). Genötigt wird er von der Liebe, vom Hauch Gottes. Kurz davor hatte er das PNEUMA Gottes (=den Windhauch) ganz persönlich über sich wehen gespürt, am Jordan, als einer der vielen, die von Johannes im Fluss „eingetunkt“ wurden. Als Jesus aus dem Wasser stieg, empfand er sich als neu geboren: „Du bist mein geliebter Sohn!“ 1200 Jahre zuvor hatte das jüdische Volk seine Geburtsstunde erlebt – durch den Exodus und die Rettung durch die Hand Gottes aus den Fluten und den anschließenden Wüstenaufenthalt.

  2. Jesus „blieb 40 Tage“. Er brach nicht vorzeitig ab. Er murrte nicht wie das Volk Israel damals. Gottes erneuten Versuch hat die ausgewählte Person diesmal bestanden – der Nazarener Jesus. Er hatte zuvor bis zu seinem 32.Lebensjahr als Bauhandwerker unauffällig seinen Alltagsberuf ausgeübt, hatte sich daneben gründlich in die Weisheit seines Volkes vertieft und hatte die Gebote bei seinen Verwandten und Arbeitskollegen liebevoll angewendet. Er hatte geduldig auf den Augenblick gewartet, dass seine Mission beginnen würde. Nun war es so weit: Zu Jahresbeginn 27 n. Chr.

  3. „Satanas“ (hebräisch) ist der Gegenspieler. Wir brauchen uns nicht den "absolut Bösen" darunter vorstellen, sondern einfach eine Person, die ihn in ein Gespräch verwickelte und ihn vom gesegneten Weg abbringen wollte. Wie er Jesus „versucht hat“, sagt uns das Markus-Evangelium nicht im Einzelnen. Aber der Leser weiß, dass wir zur Bequemlichkeit verleitet sind. Wir werden davon abgeraten, nach dem Heilsplan Gottes zu fragen: Es lohne sich nicht, ständig achtsam mit den Nächsten umzugehen und das zu tun, was langfristig verantwortbar ist. Wir sind verleitet zum schnellen Genuss, zum Greifen nach dem Gold, zum Ego. „Satan“ gibt sich nicht zu erkennen als Schädling, sondern verspricht dem seinen Erfolg, der vorrangig auf sich selber schaut. Er preist das "Will-Haben-Denken" an. Durch solche Impulse wurde Jesus versucht. Das Matthäus- und Lukas-Evangelium führen die Versuchung genauer aus, nicht jedoch Markus.

  4. „Er lebte bei den wilden Tieren.“ Das klingt zunächst nach dem Paradies-Garten des Anfangsmenschen, aber es gibt tatsächlich so einen paradisischen Ort: Ein Gedi und das Wadi David (=Davidstal) bilden eine ganzjährig wasserführende Bach-Oase, heute ein begehrter Nationalpark. In den frühen Morgenstunden – vor dem Lärm der Besucher – sind Steinböcke mit ihren Kitzlein zu beobachten. Naturforscher haben dort sogar den scheuen Wüstenleoparden gefilmt. Der schrille Warnruf der Klippdachse und der Schrei der Bergdohlen wechseln sich ab. Jesus wurde zum Bruder der Tiere und teilte ihren Lebensraum. Das lassen Matthäus und Lukas weg.

  5. „und die Engel (Boten) dienten ihm.“ DIAKONEIN bedeutet meist Tischdienst. Wir sollten uns einzelne fürsorgliche Personen vorstellen, die Jesus länger aus der Ferne beobachtet haben. Vielleicht hat sich ein Beduine erbarmt und sein Söhnchen mit einem Korb voll Verpflegung zu der Höhle geschickt, in der sich Jesus gerade aufhielt - das Kind kam als Engel. Versuchung im Paradies, Harmonie mit der Natur, Himmelsboten: das alles spielt auf den Adam an, den Prototypen des Menschen. Die sechs Wochen in der Wüste muss Jesus streckenweise hart bis an die Grenzen und streckenweise himmlisch, unglaublich trostvoll erlebt haben.

  6. „Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes“ (Mk 1,14) Seinem Vorläufer hatte Jesus noch vor kurzen wie ein Schüler zugehört. Er hatte zur METANOIA („Lebensrückschau und neue Einsicht“) aufgerufen Jetzt war für Jesus selbst der Zeitpunkt gekommen, aufzutreten: in seiner grünen, blühenden Heimat Galiläa, 120 km im Norden.

Bei vielen starken Persönlichkeiten wurde durch „Wüste“ eine Lebenswende ausgelöst: Durch einen Gefängnisaufenthalt, den schmerzlichen Verlust eines nahestehenden Menschen oder berufliches Scheitern. Reife Menschen haben die Phase der Wüste durchgestanden, sind nicht daran zerbrochen, sondern wurden für ihre einzigartige Lebensaufgabe gestärkt. Wer sich das vor Augen führt, wird sich auf der eigenen Durststrecke weder gegen die „Wüste“ ankämpfen, noch wird er sich voreilige Lösungen verkaufen lassen, sondern „bleiben“ und die dort bereitgestellte Energie erkennen. Die wird er für die eigene Zukunft nützen.

Wüstensteinbäcke und Frühling in der Wüste Juda, nahe beim Toten Meer

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Mag. Martin Zellinger

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