11. Feb. 2018

6. Sonntag im Jkr.

Markus 1,40 -45                  Bibeltext Fett gedruckt.

Ein Aussätziger kam zu Jesus Er musste sich angeschlichen oder

ihm aus der Ferne zugerufen haben, denn die öffentliche Annäherung

war streng verboten. Er war verpflichtet, andere vor sich selbst zu

warnen, damit sie einen Sicherheitsabstand hielten. Als aussätzig galt

jemand schon, wenn er schwere auffällige Hauterkrankungen hatte

(Rötungen mit Schuppen: Psoriasis, starke Flechten auf der Kopfhaut)

und bat ihn um Hilfe Im Umfeld Jesu war es ungewöhnlich, dass ein

Betroffener selbst die Initiative ergriff und um Hilfe bat.

Meist waren es Freunde oder Eltern.

er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Hier ist es das einzige Mal,

dass jemand sich niederkniet, aber nicht unmittelbar vor Jesus, denn

ein als aussätzig Eingestufter musste ja Abstand wahren. Bei anderen Beispielen, wo sich jemand Jesus zu Füßen wirft, ist nicht vom Knien die Rede, sondern von Unterwürfigkeit - so etwa die Frau, bei der die  Blutungen zum Stillstand gekommen waren (Mk 6,33) oder die spöttische Geste der Soldaten vor dem dornengekrönten Jesus (Mk 15,19) - dort ist genau übersetzt nicht vom "beugten der Knie" die Rede. Das Knien das Aussätzigen hier weist auf ein flehentliches Bitten hin. Wenn du willst, kannst du mich rein machen. Das klingt so, als ob Jesus ihn vielleicht von der Rettung ausschließen würde. Seltsam, dass jemand von Jesus den Willen abverlangt, nicht das Können, nicht die Kraft zu heilen. Er sagt nicht: "… dann kannst du mich vom Aussatz heilen," sondern "Es steht in deiner Entscheidungsbefugnis, mich für rein zu erklären." (Hier dasselbe Wort wie: Jesus erklärte alle Speisen für rein. Mk 7,19) Man kann das so verstehen, dass der Mann seine starke Hauterkrankung nicht als Aussatz erachtet hat und von Jesus dafür eine Bestätigung haben wollte.

Jesus hatte Mitleid mit ihm; In alten Handschriften steht statt "hatte Mitleid": "Er ärgerte sich", "er wurde zornig". Warum so abweisend? Wahrscheinlich, weil er es als Zumutung empfand, dass von ihm eine Umgehung der Gesetze verlangt wurde. Wir werden es am Schluss der Begebenheit genauer erfahren. er streckte die Hand aus, berührte ihn Jesus hält sich jetzt selber nicht an die behördliche Schutzmaßnahme und streckt der Person die Hand entgegen und zeigt ihr damit: Du kannst herkommen zu mir. Dann tut Jesus etwas, womit er seine eigene Gesundheit in Gefahr bringt - jedenfalls behaupten es die Behörden so: Er berührt den infizierten Körper und sagte: Ich will – werde rein! Jetzt spricht Jesus seinen Willen aus: "Von mir hast du die Einwilligung. Auf Grund meiner Entscheidung bist du rein." Sogleich verschwand der Aussatz und der Mann war rein.  Diese Zusage hatte Wirkung: Die Schwellungen gingen sichtlich zurück, die Schuppen fielen ab, die Haut bekam ihre gesunde, natürliche Farbe. Es war klar zu sehen, dass die Person alle Anzeichen der Haut-Unreinheit verlor und  erfreulich sauber war. Wie lange dauerte der Reinigungsprozess des Körpers? Markus schreibt "sofort", aber die Wortstatistik zeigt, dass Markus das Wort "sofort"  auffallend oft verwendet, nämlich 42 Mal, während es bei Lukas nur dreimal zu finden ist. Bei dem Ereignis war offenbar keine Menschenmenge zugegen, denn es ist von Jubel nicht die Rede wie sonst. Jesus schickte ihn weg, wies ihn streng an Jesus ahnte das weitere Verhalten dieses Menschen und wollte dem einen Riegel vorschieben: und sagte zu ihm: Sieh, dass du niemandem etwas sagst,

In ungewöhnlicher Strenge verbot er ihm, "eine Story" daraus zu machen. Die Öffentlichkeit soll nichts davon erfahren.

sondern geh, zeig dich dem Priester und bring für deine Reinigung dar, was Mose festgesetzt hat – ihnen zum Zeugnis. Er ermahnt ihn zu der Verpflichtung, zur Behörde zu gehen (=Priester). Dort soll er sich ein Reinheitszertifikat ausstellen lassen, Dort soll er bezeugen, wie er von Jesus behandelt wurde. Der Mann aber ging weg und verkündete bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; Was tat die gerettete Person? Sie posaunte überall herum, wie sich das Ganze zugetragen hatte.

er verbreitete die Geschichte und schadete der geplanten Lehrtätigkeit Jesu. sodass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.

Was war die Folge für das Wirken Jesu? Die Sensationslust um ihn stieg. Wo immer er auftauchte, war er Stadtgespräch und es begann ein Laufen um den "Wunderheiler". So musste Jesus für eine Zeit lang die Ballungsräume meiden und er verlegte sich auf die abgelegenen Dörfer. Aber auch das sprach sich herum, sodass ihm die Leute in die dünn besiedelten Gegenden nachliefen. Man suchte seine Nähe. Bei ihm zu sein war ein nachhaltiges Erlebnis.

Lepra ist bei uns längst ausgestorben, nicht in anderen Kontineten; Brasilien oder Indien etwa sind noch rot markiert auf den Welt-Lepra-Karten. Die medizinische Forschung hat heraus gefunden, dass Lepra gar nicht so ansteckend ist wie früher angenommen. In biblischen Zeiten hat man nicht so genau unterschieden. Vorsichtshalber wurden alle schweren hartnäckigen Hauterkrankten abgeschoben. Die religiösen Behörden gaben genaue Bestimmungen dazu heraus und überwachten sie.

 

Die Haut ist das Erscheinungsbild der Menschen, danach werden sie beurteilt, abgestempelt, abgeschoben, ausgeschlossen. In dieser Erzählung ist vom "Willen" die Rede, ob jemand ausgeschlossen ist aus der "sauberen" Gesellschaft oder nicht. Es ist eigentlich nicht das Können nötig, um jemand "herein zu holen", sondern das Wollen. Wer den Mut hat, einem Ausgegrenzten die Hand entgegen zu strecken, muss allerdings damit rechnen, dass er Zäune durchbricht, die von der Gesellschaft aufgerichtet wurden zum angeblichen Selbstschutz. Wer Ausgegrenzte hereinholt, tut etws Visionäres, baut an der Welt der Zukunft, am Netzwerk der Liebe, am Königreich Gottes. Jesus jedenfalls zählt diese Tat auf als eines der Kennzeichen für seine neue Welt: "Aussätzige werden rein"

Lepra-Ratsche, mit der ein Erkrankter vor sich selber warnen musste

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Mag. Martin Zellinger

Bibeltheologe, Reiseleiter & Eigentümer Lester Hof

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