4. Feb. 2018

5. Sonntag im Jkr.

Kleiner Schauplatz

mit großen Folgen

 

Markus 1,29 - 39

So erleben es auch manche Seelsorger: Ein ausgefülltes Wochenende –

es geht Schlag auf Schlag: Liturgie mit Ansprache, Einzelbegegnungen,

Sorgenkinder, knappe Zeit zur Besinnung. Dem Rabbi Jesus geht es

jedenfalls so. Diesmal hören wir es im Evangelium: Von der Gottesdienst-

Feier in das Private Haus eines engen Mitarbeiters, dort Familiensorgen.

Abends klopfen Dutzende mit großen und kleinen Wehwehchen an die

Tür. Psychische Nöte sind in der Überzahl, diese drängen sich vor. Wann bleibt für den Seelsorger Zeit; sich selbst vor den Schöpfer hin zu stellen? In den frühen Morgenstunden! Dann treibt ein Kollege schon wieder: Die Erfolge müssen ausgebaut werden.

 

Ich beobachte Jesus genau, wie er sich verhält in dem Getrieben-Sein. Man kann nur lernen von seiner Geradlinigkeit. Er hat noch kaum das Privathaus des Simon und Andreas betreten, überfallen sie ihn schon mit der Hauptsorge: die Schwiegermutter! Dass sie ausgerechnet dann fieberglühend daniederliegt, wenn der Meister zu Gast kommen soll, ist seltsam. Klar, es hat schon die Tage vorher heftige Wortgefechte in der Familie gegeben, weil der „Herr Schwiegersohn“ so leichtfertig den Fischerberuf an den Nagel gehängt hat, um von Dorf zu Dorf zu ziehen mit der neuen „Heilsbotschaft“. „Sie sprachen mit Jeus über sie“ Das Gesprächsthema ist sie, nicht ihre Krankheit. Jesus hört sich alles an und entscheidet: „Zu der muss ich hingehen.“ Er betritt unaufgefordert ihr Schlafgemach – unerhört für einen Mann. Er packt sie an der Hand. Üblicherweise wird übersetzt: „Er fasste sie an der Hand.“ Aber es steht im Originaltext entschiedener. Markus verwendet hier dasselbe Wort wie bei der Festnahme des Johannes am Jordan (Mk 6,14) und bei der Verhaftung Jesu am Ölberg (Mk 14,44). Dem späteren Evangelisten Matthäus scheint das Wort zu heftig zu sein, er mildert ab auf: „Er berührte ihre Hand.“ Jesus nahm sie fest in seinen Griff – diese Sprache verstand die Frau in ihrer Hitze. Dann ist eine Frau zu sehen, die „aufgerichtet“ wurde. Das Fieber hat sich erübrigt und sie möchte sich dankbar erweisen: die Gäste bedienen. Sie tut als erste im Evangelium etwas, das Jesus zu seinem Lebensmotto gemacht hat: „Der Menschensohn ist nicht gekommen sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen.“ (Mk 10,46). Aus diesem Schauplatz der ersten Bewirtung wird für Jesus ein Stützpunkt, wohin er immer wieder zurückkehrt, während seiner 3 Jahre öffentlichen Wirkens. Dort macht er öfters Station, es wird ein wenig sein Zuhause.

 

Jahrzehnte später wird aus dem Familienbesitz eine Hauskirche und 400 Jahre später pflanzt die byzantinische Kirche eine achteckige Basilika drüber. Von diesem Oktogon sind nur noch die Mauerreste erhalten. Vor 30 Jahren hat der Franziskaner-Orden darüber eine Beton-Kirche auf Stützen mit Glasboden errichtet. Heute gehört der Ort zum Fixpunkt jeder Israel-Reise, Hunderte Pilger kommen Tag für Tag dort hin. Am Eingang zum Ausgrabungsgelände ist zu lesen: „Kafarnaum, the town of Jesus.“ Das obige Foto zeigt, wie wir unweit vom Petrushaus mit Seil die Mauerreste nachlegen und uns mit Figuren in die Szene hinein versetzen.

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Mag. Martin Zellinger

Bibeltheologe, Reiseleiter & Eigentümer Lester Hof

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