4. März 2018

3. Fastensonntag

Aufräumen

auf oberster Ebene

Joh 2,13-35

Manche sind hellauf begeistert, dass Jesus aufräumt. Er schlägt drein,

wirft die Leute hinaus, denen es um persönlichen Gewinn im Heilig-

tum geht. Er zeigt es den Hütern der Religion, dass solche Zustände

untragbar sind. Scheinbar fehlt nicht mehr viel und er wird den politisch

Mächtigen entgegen treten und die ungerechte Herrschaft über das Land

abschütteln. So möchten ihn manche sehen und würden ihn sofort zum

Führer ausrufen. Ist das der wahre Jesus?

 

Fangen wir die Bibelstelle vom Schluss her zu lesen an (Das empfiehlt sich

hin und wieder gerade beim Johannes-Evangelium): „Jesus vertraute sich ihnen nicht an.“ Er ließ sich nicht vor ihren Wagen spannen. Waren die Begeisterten wirklich um Erneuerung im guten Sinn bemüht oder ging es um das eigene Ansehen im Fahrwasser Jesu? Er durchschaute die Menschen, wo andere noch nichts merkten, dass die Jubler aus Eigennutz Jesus anfeuerten beim „Aufräumen“.

 

Sein Programm war der sanfte Weg. Mit dem wollte er das Land erobern. „Selig, die Sanftmütigen, sie werden das Land erben.“ (Die frühere Einheitsübersetzung schrieb noch: „Selig, die auf Gewalt verzichten …“, aber das Wort Gewalt kommt im Urtext der Seligpreisungen nicht vor.) Widerspricht der Jesus, der eine „Geisel aus Stricken“ schwingt, nicht seinen eigenen Lehrsätzen?  Nein! Erstens verletzt er keine Person körperlich. Es gibt sogar die andere Übersetzungsmöglichkeit: „Er trieb alles aus dem Tempel hinaus: Schafe und Rinder.“ Höchstens Geschäftsschädigung könnte man es nennen, was er im Tempel vollbringt.

Zweitens überragt die positive Haltung das negative Tun. Er will den Zustand der Würde des Heiligtums wiederherstellen und muss dazu die Missstände "hinaustreiben". Er nennt es das „Haus seines Vaters“ und macht als Sohn seinen Anspruch geltend. Der geschäftliche Anteil an der Religion muss getilgt werden, damit ihre Strahlkraft zum Vorschein kommt. Drittens ähnelt das Vorgehen Jesu den Dämonen-Austreibungen. Dem vergifteten Zeitgeist, der sich im Menschen eingenistet hat, kommt man nicht durch Streicheleinheiten bei, sondern nur mit entschlossenem Auftreten. Um die krankmachenden Zwänge erfolgreich zu behandeln, denen sich ein Mensch unterworfen hat, muss Jesus  klar und entschieden vorgehen.

 

Damit kommen wir zum Kernstück dieses Vorfalls gelangt: Der Körper des Menschen und der Korpus einer achtsamen Gemeinschaft ist das Heiligtum, in dem das Reine, das Freie, das Lebensstarke wohnen will. Seit dem Auftreten Jesu in der Menschheitsgeschichte sind die Gotteshäuser aus Stein zweitrangig geworden: Vorrangig ist der Mensch als Heimstätte des Göttlichen und sind die spirituellen Runden, die sich in seinem Sinn zusammenfinden. Paulus nennt es so: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1Kor 3,16) Im Tempel von Jerusalem damals hat der Reinigungs-dienst Jesu langfristig nichts gefruchtet. In den Kreisen, die sich ihm heute seinem Wort öffnen, wirkt es tatsächlich beruhigend und spürbar reinigend, wenn man ihn eintreten lässt.

Modell des Tempels  -  zu besichtigen im Israel-Museum, Jerusalem

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Mag. Martin Zellinger

Bibeltheologe, Reiseleiter & Eigentümer Lester Hof

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