1. April 2018

Ostersonntag

Er wurde erweckt

Die Frauen am leeren Grab Mk 16,1-8

 

Die Besonderheiten in der Osterschilderung des Markus werden leicht

übersehen. Vor kurzem sind sie uns bewusst geworden, weil wir sie

während einer Pfarrgemeinderats-Klausur mit biblischen Erzählfiguren

Schritt für Schritt nachgestellt haben.

 

Den Körper eines Verstorbenen zu Gänze zu salben, war damals im

Judentum eher unüblich und wenn, dann stand es nur der Ehefrau zu,

ihrem Mann diesen letzten Liebesdienst zu erweisen. Dass Maria aus

Magdala zusammen mit einer zweiten Maria und mit Salome das zu tun

wagen, deutet auf eine außergewöhnliche Liebe und Wertschätzung hin

und auf Frauen-Solidarität. Woher hatten sie so viel Geld? Wenn es ein

ähnliches Duftöl war, wie ein paar Tage zuvor beim Gastmahl in Betanien

(Mk  14,5), dann waren es  300 Denare. Dafür muss ein Tagelöhner

eineinhalb Jahre arbeiten!

 

Wenn Markus betont, dass sie am ersten Tag der Woche zum Grab gehen, lässt er den christlichen Leserkreis  des ersten Jahrhunderts aufhorchen: „Das ist doch genau der Zeitpunkt, zu dem wir uns wöchentlich versammeln, um das Herrenmahl zu feiern und ihn in unserer Mitte zu wissen.“

 

Wenn die Frauen das Grab aufgebrochen vorfinden und anstatt des geliebten Verstorbenen einen jungen Mann auf der rechten Steinbank sitzen sehen, löst das gerade nicht die Osterfreude aus, sondern Erschrecken. Genau übersetzt handelt es sich bei der unerwarteten Person nicht um einen „jungen Mann“, sondern um einen Jugendlichen, einen Jüngling, der noch nicht im heiratsfähigen Alter ist, also unter 15 Jahren. Er trägt - wörtlich übersetzt - nicht ein „Gewand“, sondern eine helle Robe, einen weißen Talar.

 

Seine Mitteilung fällt knapp aus: „Erschrecken ist hier am falschen Platz. Zweifellos sucht ihr Jesus den Nazarener.“ (Derselbe sachliche Name stand auf der Kreuzestafel) Ohne Beschönigung benennt der Junge das fürchterliche Sterben: „Gekreuzigt“. Aber im selben Atemzug ergänzt er: „Erweckt wurde er“ Leider schreibt die revidierte Einheitsübersetzung wieder wie die vorige Übersetzung „er ist auferstanden“ –  nicht „erweckt“ wie es wörtlich lauten sollte. Damit käme klarer zum Ausdruck, dass Gottes Hand im Spiel war. Es war Gottes große Tat, seinen Liebling hindurch zu retten durch den Tod zum Leben in Fülle, das sogar die Freunde belebt.

 

Die Frauen sollen hinschauen und sich überzeugen, dass es jetzt nicht mehr um den Körper geht, der ja ausgehaucht hat. Der spielt jetzt keine Rolle mehr, er ist zurecht verschwunden. Stattdessen erhalten die Frauen einen klaren Auftrag: „Sucht die männliche Hälfte des Schülerkreis auf und sagt ihnen sie sollen sich vier Tage zurück erinnern: Als sie in der Vollmondnacht vom Abendmahlsaal zum Ölberg gingen, kündigte es ihnen der Meister an: >Nach meiner Erweckung werde ich euch vorausgehen nach Galiläa.< Jetzt ist es so weit: Er ist euch vorausgegangen an den ersten Ort der Sympathie und Liebe. Dort wird euch ein Schauen geschenkt. Ihr werdet ihn sehen und wiedererkennen. Petrus – der  vor 3 Tagen schmählich bestritten hat, dass er zu ihm gehört – ihm wird er sich allen voran zeigen.“

 

Die Frauen sind fassungslos  - und damit schließt das Markus-Evangelium geschrieben um 70 n.Chr. Jetzt ist der Leser fassungslos. Das soll der Osterbericht sein? Das viel ältere Auferstehungszeugnis hat Paulus im Korintherbrief festgehalten (1 Kor 15,3 – geschrieben 55 n.Chr.) Darin ist wieder festgehalten „... und er erschien dem Kephas (=Petrus), dann den Zwölf ...“.Wir sehen, dass die Betonung auf dem „sich zeigen“ liegt. Es war eine Gnadenstunde für alle, die ihn sehen durften in den Wochen nach dem Sterben. Gegönnt waren die Augenblicke des Sehens nur solchen, die zu Lebezeiten lange mit ihm gegangen waren, ihnen wurde eine neue Schau des Meisters gegönnt. Wer sich heute schwer tut mit dem Thema „Auferstehung“, dem kann man nur empfehlen, zuerst längere Zeit mit IHM zu gehen, sich mit ihm auseinander zu setzen, seine Empfehlungen anzuwenden im eigenen Leben und sich überraschen zu lassen.

Sonnenaufgang über dem See Genezaret

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Mag. Martin Zellinger

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