13. Mai 2018

7.Sonntag der Osterz.

Was sich der scheidende Jesus noch wünscht

Joh 17, 6a.11b-19

Die Original-Taufstelle am Jordan erweist sich bei jeder Israel-Reise als einer der am tiefsten beeindruckenden Orte. Besonders wenn wir den Teilnehmern mit frisch geschöpftem Wasser bewusst machen: "Erinnere dich: Du bist eine von Gott geliebte Tochter/ ein Sohn." Dass dies tatsächlich so nahe geht, brachte mich auf die Idee, die Tauferinnerung auch anzubieten, wenn wir in den Pfarren von Oberösterrich Bibel-und-Wandern-Nach-mittage ausschreiben. Wir halten immer auch an einem Füsschen inne und da lässt sich gut schildern, welch großartige Erfindung Johannes  der Menschheit geschenkt hat. Aber der Ritus entwickelte sich schnell weiter - nämlich in einer "Offenbarung" für Jesus. Die ursprüngliche Intention des Johannes war es zwar, dem Menschen erfahrbar zu machen, dass ihm seine vergangenen Fehlwege nicht mehr vorgerechnet werden. Aber schon wenige Jahre danach verwandelte sich die Taufe für den "ersten Menschen" zum Erlebnis, dass Gott "Vater" ist, der seinen Sohn/seine Tochter liebt. Das wurde Jesus augenblickshaft geoffenbart. Es muss für ihn überwältigend gewesen sein.

Daraufhin wurde es zu seiner Mission, den selbst erfahrenen Vater seinen Zeitgenossen, seinen Bewunderern, seinen Schüler weiter zu offenbaren. Damit ist nicht Wissenvermittelung oder Glaubensbelehrung gemeint, sondern intuitives Erfassen. "Ich habe deinen Namen den Menschen geoffenbart." Mit "Namen" ist der Ruf gemeint, das Wirkfeld, das Image, die Ergriffenheit. Wie sich die "Offenbarung" genau äußert, das kommt auf die Grundverfassung des einzelnen Menschen an. Beim einen ist es ein reinigendes Wort, beim anderen eine lange Berührung, wieder beim anderen ein heftiger Vorfall - alles aber aus Liebe.

Nach der Spontan-Offenbarung folgt das Dran-Bleiben: "Bewahre sie in deinem Namen." Von Künstlern oder Forschern hört man oft, dass sie in einer "Offenbarung" auf etwas Großartiges drauf gekommen  sind. Dann aber folgte die mühsame und hartnäckige Umsetzung. Dasselbe gilt auch im Spirituellen: An dem spontan Erhaltenen heißt es, dran zu bleiben, es weiter zu pflegen und auszubauen.

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Mag. Martin Zellinger

Bibeltheologe, Reiseleiter & Eigentümer Lester Hof

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