27. Mai 2018

Dreifaltigkeitssonntag

Da schau: Ich bin mit euch. Mt 28,16–20

Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder, einige aber hatten Zweifel. Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Wenn wir fragen, welcher Berg damit gemeint ist, haben wir Matthäus missverstanden: Er ist jüdischer Schriftgelehrter und meint keinen bestimmten, sondern den Ort der Gottesbegegnung wie bei Mose: "Am dritten Tag wird der Herr vor den Augen des ganzen Volkes auf den Berg Sinai herabsteigen" (Ex19,11). Die Jünger fühlten sich von Jesus selbst auf den Berg hin bestellt.

 

Eigentlich war es sein klarer Auftrag, aber sie  hatten ihre Zweifel. Die Einheitsübersetzung schreibt, „einige“ hätten Zweifel gehabt, damit verharmlost sie leider den Originaltext. Woran zweifeln sie? Vielleicht, ob das derselbe Jesus ist, wie damals in Galiläa? Vielleicht, ob dieses „Ihn-Sehen“ nur noch ein kümmerliches Aufflackern ihrer Sehnsüchte sei.

Dem gegenüber machen sie 2 Erfahrungen: 1. Er nähert sich. Sie dürfen seine Nähe spüren.

2. Von ihm geht Stärke aus, er hat Verfügungsgewalt über Geistiges und Materielles. Er nimmt Einfluss auf Spirituelles und Körperliches.

Dann erfolgt sein dreistufiger Auftrag: 1.Stufe: Macht euch auf den Weg, bleibt also nicht in Häusern sitzen, denn ihr müsst die unterschiedlichen Bevölkerungsschichten erreichen. Nehmt hautnah teil an ihrem Leben, sodass sie Lust bekommen, von eurem Geheimnis mehr zu lernen. Weckt ihre Neugierde, ihre Lernfreude. 2.Stufe: Sobald sie den Wunsch äußern, zur Christusfamilie zu gehören, nehmt sie auf als Geschwister. Als Aufnahmeritus soll euch das Untertauchen in Wasser dienen, dabei sprecht feierlich den Gottesnamen aus, welcher „Vater, Sohn und Heiliger Geist“ gleichermaßen lautet. (Das ist die Taufformel der Achtziger Jahre. 30 Jahre zuvor im Jahr 55 spricht Paulus noch davon, dass wir alle „auf Christus getauft“ sind. Der Taufritus macht also eine Entwicklung durch.) 3.Stufe: Vertieftes Lehren! Begnügt euch nicht damit, dass die Interessenten jetzt Mitglieder der Gemeinschaft sind. Betreut sie noch weiter und macht sie umfassender vertraut mit meiner Lehre. Das darf aber keine bloße Wissensvermittlung sein. Das Erlernte muss angewendet und im Leben verwirklicht werden.

Macht die Augen auf! Ihr werdet den Erfolg klar sehen. Ihr werdet mein Mitgehen, mein Begleiten deutlich spüren. Es wird nie aufhören, Tag für Tag werdet ihr von neuem erleben, wie ich mit euch bin – so lange, bis die Zeitepochen ihr Ziel erreicht haben.

Dies ist der vielsagende Schluss des Matthäus-Evangeliums. Wenn es stimmt, dass der Verfasser um das Jahr 85 in einer der Gemeinden von Antiochia am Orontes / Syrien lebte und schrieb, dann kann er diese Sendungsworte bereits bestätigen: Von hier waren im Jahr 45 Barnabas und Saulus gestartet, um „die Botschaft“ in den Westen zu tragen und Antiochia wurde noch ein paar weitere Male Ausgangspunkt, um bei den Völkern die Begeisterung für Christus zu wecken.

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Mag. Martin Zellinger

Bibeltheologe, Reiseleiter & Eigentümer Lester Hof

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