3. Juni 2018

9.Sonntag i.Jahr

Wie erwidern wir

ungerechte Vorwürfe? Mk 2,23 – 3,6

Diesen und nächsten Sonntag zeigt uns das Evangelium, was die Gegner Jesus vorwerfen. Wir sollten die Gelegenheit nicht versäumen zu beobachten, wie er mit Leuten umgeht, die sich als seine Widersacher entpuppen oder die auf Distanz zu ihm bleiben.

Zuerst fragen wir uns, wie wir selber oder wie angesehene Persönlichkeiten reagieren, wenn sie öffentlich angegriffen werden oder wenn man sie gar eines Gesetzesbruchs bezichtigt.  Es gibt viele Varianten, wie man damit umgeht: Man schluckt es hinunter, lässt es sich duldend gefallen. Oder: Man bestreitet die Tat und erklärt den Vorwurf als eine Lüge. Oder: Man verharmlost alles und stellt die Sachlage anders und abgeschwächt dar. Oder: Man lässt sich die Anschuldigung nicht gefallen, man antwortet abfällig, macht sich über den Gegner lustig und setzt ihn herab. Manche drehen den Spieß um, drohen oder schleudern heftigere Vorwürfe zurück.

Schauen wir genau, was Jesus tut. Lasst uns lernen davon.

Sein Schülerkreis und er sind umringt von Menschen und offenbar noch immer nicht zu einem Essen gekommen. So reißen sie sich beim Weitergehen reife Getreideähren ab, um die Körner zu kauen. Es ist aber Sabbat, und die Überrelgiösen haben ihn im Blick  – aber nicht, um seinen unermüdlichen Eifer für die wahre Religion zu würdigen, sondern um den Meister darauf hinzuweisen, dass er den Verstoß seiner Schüler gegen die Sabbatruhe maßregeln müsste. Diese haben verbotenerweise „Erntearbeit“ geleistet.

Wie reagiert Jesus darauf? Erstens bestätigt Jesus die Tat (er schwächt sie nicht ab), er erinnert aber zugleich an ein prominentes Parallelbeispiel aus der Bibel: Einmal hat der so hoch verehrte König David das Hungerproblem gelöst, indem er sich unerlaubterweise Brot aus dem Heiligtum angeeignet hat. Zweitens setzt Jesus seine Angreifer nicht herab, sondern gibt ihnen eine Gelegenheit und traut wenigsten einigen von ihnen zu, zur Einsicht zu kommen. Drittens ist sein Gegenangriff niemals verletzend, sondern aufklärend für sie  – sie, die ihm Schaden zufügen wollen und er trägt der übrigen anwesende Schar von Zuhörern seine Lehre klar vor: Gebote sind nicht wegen des Gesetzgebers da, sondern zum Wohl der Bevölkerung, zum Schutz von Einzelnen und der Allgemeinheit. Jesus hält das Gebot, den Tag Gottes zu heiligen, ihn hervorzuheben unter den anderen Tagen, für sinnvoll und nützlich – es nützt den immer beschäftigten Leistungsmenschen und den immer eingespannten Bediensteten. Dann steigert Jesus die Aussage, indem er feststellt: "Der Menschensohn ist Herr über den Sabbat."  Er nimmt für sich in Anspruch, das Sabbatgebot umzugestalten und ihm einen nachhaltig neuen Sinn zu geben. Das hat die spätere Entwicklung bestätigt:  In seiner Nachfolge-Gemeinschaft hat der bisherige Tag des Herrn, der jüdische Sabbat, der siebte Tag, an Bedeutung verloren. Stattdessen ist der achte Tag zum Feiertag und Ruhetag aufgestiegen.

Einem verletzenden Vorwurf kreativ zu erwidern und hinterher noch Aufklärung zu betreiben, das zeugt von Weisheit und Reife.

Beim Aufstieg auf den Arbel-Berg sehen wir hinunter auf den See Genezaret und die ausgegrabene Stadt Magdala

Auf halbem Weg überlegen wir, was Jesus empfiehlt, wenn du erniedrigt wirst. Der Schlag auf die rechte Wange ist noch nicht Gewalt, er ist eher eine Beleidigung.

Bring die Sache zur Wende! Weder hinunter-schlucken noch mit Gewalt reagieren! Kreativität erlernen!

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Mag. Martin Zellinger

Bibeltheologe, Reiseleiter & Eigentümer Lester Hof

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