10. Juni 2018

10.Sonntag i.Jahr

Verleumdungswelle und wie Jesus sie erwidert!

Gesehen bei einer Bergwanderung auf der griechischen Insel Kos

Zuerst werden die Verwandten geschildert. Sie wollen ihn packen und festhalten. Er übertreibe seine Begeisterung. Sie sagen etwa so: >Hilfsbereitschaft ist schon recht, aber bei einem jeden Hilfeschrei gleich vom Essen aufzuspringen und den eigenen Hunger hintan zu stellen, das ist übertrieben. Wir müssen ihn zur Vernunft bringen!< Von wem kommt dieser Ordnungsruf? Wohl vom einem Mann(!) in der Verwandtschaft, vielleicht dem Angesehenen unter den Altersgenossen. Wie wird es wohl der Frauenseele dabei gehen, der Mutter Jesu? Sie schweigt offenbar über die Männervorherrschaft.  Wir erfahren auch nicht, was Jesus darauf erwidert. Offenbar übergeht er den Rückholversuch in die gewohnte Sippenordnung. Es ist ihm sicherlich bewusst, worum es dem Oberhaupt in Wirklichkeit geht: um den eigenen Ruf.  Und Jesus hofft auf eine spätere Einsicht, womit er Recht hat: Von der Jerusalemer Urgemeinde heißt es: Der Zwölferkreis „verharrte einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu und seinen Brüdern.“ (Apg 1,14)

Es wird uns gleich noch eine Begebenheit geschildert, wie sich sein engerer Familienkreis ins Abseits stellt: Sie bleiben „draußen“.  Gleichzeitig erheben sie aber den Anspruch, dass Jesus ihnen die erste Aufmerksamkeit schenken soll, weil sie ja „Mutter und Brüder sind“. Er aber hat längst eine neue Familie gegründet, nämlich eine spirituelle, deren Bindung nicht in der Blutsver-wandtschaft besteht, sondern darin, wer sich an den guten Schöpfungsplan hält. Er erklärt allen Anwesenden deutlich: „Die dabei mittun, wie Gott seinen Heilsplan in der Geschichte voran bringt, die sind mir Brüder und Schwestern und Mutter.“ Auffallend ist, dass er die Wertung umdreht: Geschwisterlichkeit kommt vor Mütterlichkeit und Schwestern sind ausdrücklich einbezogen. Wieder hat er den stillen Vorwurf, er würde Mutter und Brüder vernachlässigen,  genützt, um seine Lehre klarzustellen.

Markus 3,20-35, Teil 2 zum vorigen Sonntag

Das tut er auch bei der Verleumdungskampagne, die behauptet, er sei ein Komplize des Weltzerstörers. Eine Begutachtung durch Bibelgelehrte von der Religions-zentrale in Jerusalem ist vernichtend gegen ihn ausgefallen. Die Inspektoren streuen ihr scharfes  Urteil unter der gläubigen Bevölkerung aus, ohne ihm selber Gelegenheit zu einer öffentlichen Stellungnahme zu geben. Sie bestreiten nicht seine großen Heilerfolge bei Menschen in psychischer Not.  Aber sie erklären ihn selber für einen psychisch schwer Angeschlagenen. Er stehe im Bund mit jener Kraft, die unser Seelenleben aushöhlt. Jesus begibt sich nicht auf das niedrige Niveau seiner Gegner, startet keine Gegenbeschuldigung, sondern eine Lehreinheit. Wie damals üblich, stellt der Lehrer zu Beginn eine Frage: „Wie soll das soge-nannte Erfolgsprinzip >Lüge< die Welt säubern von der Neigung zur Lüge? Wie soll die zur Methode gewordene Vortäuschung das Vortäuschen aus der Welt schaffen?“  Nach der Lehrer-Frage erklärt Jesus ein Grundgesetz: „Wenn es in einem mächtigen Netzwerk einander widerstrebende Strömungen gibt und diese sich nach und nach gegenseitig unterkriegen wollen, dann ist es bald aus mit der Machtstruktur. Dasselbe gilt für ein Familienunternehmen: Bruderzwist zerstört den früheren Erfolgsweg und die vom Vater mühsam aufgebaute Firma geht wieder zu Grunde. Spaltung kann leichter zum Niedergang führen als Bedrohung durch die Konkurrenz.“ In den Augen Jesu tun sich im "Machtwerk der Vortäuschung" bereits Bruchlinien auf, sie weiten sich durch sein Wirken zu gewaltigen Rissen und auf kurz oder lang wird das Bollwerk von Lüge und Gier wie ein Kartenhaus zusammen brechen. „Wir brauchen das Böse nicht zu bekämpfen, sondern wir müssen der Aufrichtigkeit und dem rücksichtsvollen Umgang miteinander unbeirrt treu bleiben.“  

 

Meilenweit ist Jesus  dem Denken unserer Gesellschaft voraus, er ist schon auf höchstem Niveau angelangt. Wir sind noch beim Hochklrabbeln. Siehe Bilder! Aber wir können lernen von ihm. Alleine das genaue Hinsehen auf ihn wirkt reinigend und fordert uns heraus, es selber auch zu versuchen.

Wer höher kommen will bis zur Erfüllung, braucht viel Geschick, um den schmerzlichen Widrigkeiten auszuweichen - die Ameise zeigt es vor: Nicht ankämpfen dagegen, sondern nutzbringend damit umgehen.

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Mag. Martin Zellinger

Bibeltheologe, Reiseleiter & Eigentümer Lester Hof

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