17. März 2019

2.Fastensonntag

Verklärung

Lukas 9,28-36

Meine persönliche Erfahrung mit dem Berg der Verklärung habe ich schon vor 1 Jahr geschrieben. Siehe 2.Fastensonntag 2018

 

– in der Markus-Fassung.

Der Evangelist Lukas hat diese Urfassung umgeschrieben. Dem Sinn nach hat er sie nicht entstellt, aber er hat – wie er eben ist – einiges an seine Leitgedanken angepasst und mit seinem schriftstellerischen Eifer „anschaulicher“ dargestellt.

1. Er stellt die Reihenfolge der Namen um, sodass Jakobus an letzter Stelle steht. Der ist aus der Sicht des Lukas derjenige, der im frühen Christentum am wenigsten für die Verbreitung des Evangeliums beitragen konnte, weil er schon im Jahr 42 in Jerusalem durch das Schwert des Herodes getötet wurde. Petrus hat 64 in Rom den Märtyrer-Tod erlitten und Johannes ist wohl in den 90er Jahren in Ephesus (heutige Westtürkei) gestorben. Den könnte Lukas noch gekannt haben.

2. „Jesus stieg auf einen Berg, um zu beten.“ Beten ist ein Lieblingsthema des Lukas. Keiner der Evangelisten schildert Jesus sooft als einen, der betet – und zwar in der Nacht.

Das ist nicht das alltagliche Bild von Wueste > In ein sonst trockenes Bachbett ergiesst sich ein Sturzbach, weil es 30 km entfernt in Jerusalem und Betlehem wolkenbruchartig geregnet hat.

3. „Während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes.“ In der Markus-Vorlage stand hingegen: „Er wurde vor ihnen verwandelt, seine Kleider wurden strahlend weiß“. (Nicht das Gesicht!)  Warum ändert Lukas das auf „Gesicht“? Weil er Jesus mit dem Volksgründer Mose vergleicht, der auch am Berg ein strahlende Gesichtshaut bekam: „Als Mose vom Berg herunter stieg, wusste er nicht, dass die Haut seines Gesichtes strahlte, weil der HERR mit ihm geredet hatte.“ (Ex 34,29) Lukas ist zwar nicht in der jüdischen Religion aufgewachsen – im Unterschied zu den anderen 3 Evangelisten – aber er schätzt die Schriften des Judentums hoch. Für ihn ist Jesus die Erfüllung alle dessen, was Gott mit dem jüdischen Volk begonnen hat.

4. „Es redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija.“ Damit erweckt Lukas den Eindruck, dass 2 normale Personen aufgetaucht sind, die diese 2 größten Persönlichkeiten aus dem Judentum dargestellt haben.

5. „Sie erschienen in Herrlichkeit und sprachen über seinen Exodus, den er in Jerusalem erfüllen würde.“ Bei Markus erfahren wir nicht, worüber die drei Persönlichkeiten sprachen. Lukas baut hier seinen Leitgedanken ein: Erfüllung. Er hat sein Buch mit dem Satz begonnen: „Schon viele haben es unternommen, eine Erzählung von den Ereignissen abzufassen, die sich unter uns erfüllt haben.“ Und er endet das Buch damit, dass der Auferstandene sagt: „Das sind meine Worte, die ich zu euch gesprochen habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose und bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben steht.“ (Lk 24,44) Dass das Wort „Herrlichkeit“ genau dort auftaucht, wo „der HERR und Mose von Angesicht zu Angesicht miteinander redeten“ (Ex 33,11) , das ist Lukas sehr willkommen. Als Mose das Offenbarungszelt betrat, „ließ sich die Wolkensäule herab und blieb am Zelteingang stehen.“ (Ex 33,9) Mose sagte: „Lass mich doch deine Herrlichkeit sehen.“ (Ex 33,19) Lukas verknüpft die Verklärungs-Erfahrung der 3 Begleiter Jesu mit der Mose-Geschichte wie sonst keiner der Evangelisten. Er lässt keinen Zweifel, dass die Gottesbeziehung Jesu die der alten Glaubensboten übersteigert. Jesus gehört noch viel eindeutiger in die göttliche Sphäre. Mose kann Gottes Angesicht nicht schauen, die Jünger aber sehen die Herrlichkeit Jesu. Es lohnt sich dazu den ganzen Abschnitt Ex 33,7-23 zu lesen und die Stichworte zu vergleichen mit der Verklärung.

Innerhalb des Zwölferkreises Jesu gab es die drei engsten Vertrauten, sie standen in der Gunst, Jesus schon vorweg (vor seiner endgültigen Erhöhung) zu sehen als einen, der die Brücke war in die Herrlichkeit Gottes: Petrus, Jakobus und Johannes. Sie holten nach seinem Sterben diese Glanzstunde der Beziehung aus ihrem Gedächtnis hervor und besprachen sie mit den übrigen Aposteln. Bis dahin hatte ihnen Jesus Redeverbot darüber erteilt.

Wenn man mit einem Menschen Jahre lang verbunden ist, gibt es lang anhaltende Lebensabschnitte des Alltags, dazwischen gibt es Abschnitte der Anstrengung, weiters gibt es Abschnitte der Klärung und ganz selten gibt es Höhepunkte, die sich in vollem Glanzes deutlich davon abheben. Da  erstrahlt der Partner/die Partnerin in ungewöhnlicher Helligkeit. Das sind Momente, die selten vorkommen und vielleicht nur kurze Zeit dauern, aber sie  zeigen in voller Dichte, wer „dieser geschätzte Mensch für mich“ wirklich ist. Solche Glanzstunden der Beziehung sind wie funkelnde Edelsteine im Leben, die man für immer aufbewahrt und die man im entscheidenden Augenblick hervorholen kann.

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Mag. Martin Zellinger

Bibeltheologe, Reiseleiter & Eigentümer Lester Hof

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