17. Dez. 2017_3.Advent

Sonntagswort 3.Advent

„mitten unter euch

steht er …

vorläufig

noch unerkannt“

 

Nachdem ich das Sonntagsevangelium durchstudiert und wesentliche Worte unterstrichen habe, greife ich nach einem A4-Blatt und lege es quer, um mir in farbigen Stich­männchen die eigenartige Gegenüberstellung zu veranschaulichen. Spontan zeichne ich links in grün Johannes und rechts in schwarz die zwei Religionsangehörigen. Er - ausgebrochen aus dem satten Leben und sie - im Dienst beim Heiligtum.

Unter Johannes notiere ich: Zeugnis ablegen für das Licht. Bezeugen kann jemand nur etwas, das er persönlich erlebt hat, was ihm widerfahren ist, worauf er sich eingelassen hat. Würde er von etwas sprechen, das er nur gelesen hat – sogar in den heiligen Schriften gelesen hat – wäre es kein Zeugnis. Was jemand bezeugt, wirkt überzeugend. Die Zuhörer nehmen es ihm ab. Einem Zeugen wie Johannes (auch heute!) länger zu zuhören, lässt Vertrauen aufkeimen und schrittweise mehr an das Licht glauben. Aber die Hüter der Religion lassen sich nicht ein auf die Glaubensschule, sondern rücken dem spirituellen Mann mit einem Frage-Antwort-Spiel zu Leibe. Sie wollen ihn überprüfen, weil er bereits im Volk Berühmtheit erlangt hat und sein Ruf bis in die Glaubenszentrale gelangt ist. Wer bist du? Wenn nicht der, wer dann? – Liefere eine Selbstbeschreibung! – Warum pflegst du das Untertauch-Ritual? – Nur scharfe Fragen! Keine Spur von Interesse an seiner Botschaft!

Wenn ich die Konfrontation genau verfolge, stelle ich eine sorgfältig geführte Steigerung von Antwort zu Antwort fest:

  • Zuerst grenzt sich Johannes klar ab: „Ich bin nicht der Gesalbte“ Johannes schart keine Getreuen um sich. Er hat nicht vor, mit Gefolgsleuten ein Imperium aufzubauen, wie einer, der sich zum König salben hat lassen. Es wäre für Johannes ein Leichtes gewesen, sich als etwas Besonderes hinzustellen. Viele tun das – damals wie heute. Das lehnt er entschieden ab – nicht aus Bescheidenheit, sondern aus realistischer Einschätzung seiner Mission. Andere unterstellen ihm aber solche Absichten: Die religiös Mächtigen und der politische Herrscher Herodes.

  • Im 2.Schritt wird Johannes deutlicher. Er gibt keine Nicht-Antwort mehr, sondern drückt es positiv aus: Er bezeichnet sich als Stimme, sie hat den knappen Apell hinaus zu rufen: „Räumt die Unebenheiten bei eurem Hauszugang weg! Ihr hindert Gott, den Herrn, daran, zu euch zu kommen". – "Dieser Aufruf stammt nicht einmal von mir selbst," sagt er,  "sondern ist in euren Heiligen Schriften nachzulesen: bei Jesaja" (Jes 40,3 )

  • Eilig lenken die Religiösen ab von der heiklen Frage, wo sie selbst gefordert wären, und befragen ihn über seinen Ritus: „Warum tauchst du die Pilger im Jordanfluss unter? Wie kannst du ihnen verbunden mit dem Sterberitus versprechen, dass Gott ihnen das Üble aus ihrer Vergangenheit nicht mehr vorrechnet? Woher nimmst du die Gewissheit, dass Gott jedem Eingetunkten eine neue Chance gibt? Warum tust du das, wenn du nicht der Vertreter der göttlichen Allmacht bist – der Gesalbte?“

  • Jetzt gibt Johannes seinen Befragern die letzte Gelegenheit, ihren Blick zu weiten: „Schaut euch doch um! Er – von dem ihr redet – steht bereits unter euch - zur Zeit noch inkognito, bald deutlich wirksam. Aber schade, ihr habt kein ernsthaftes Interesse an ihm. Ihr wollt ihn gar nicht kennenlernen.“

  • Damit bricht die Befragung ab. Die Gegenüberstellung hat zu keinem Ziel geführt. Aber kurz darauf wird Johannes einige seiner Schüler hinweisen auf den "mitten unter euch": „Er ist das Lamm, das jung und rein ist und für das Opfer vorgesehen.“

 

Stellen wir uns ehrlich die Frage: Wenn ein spiritueller Mensch heute sagen würde: „Mitten unter euch steht einer …“ Mitten in der Christenheit des 21.Jahrunderts sind Ansätze zu beobachten, dass der Christus und seine gute Nachricht da ist. Vom Kirchenoberhaupt bis hinunter zu Aktivisten an der Basis wird bereits das Evangelium in die Tat umgesetzt (lebenskräftig wie damals). Oder gar: „Mitten in euch persönlich steht etwas auf, …“ In eurem Herzen warten bereits die guten Ansätze. Würden wir hinsehen auf das aufkeimende Gute? Würden wir uns der hoffnungsvollen Entwicklung anschließen? Oder würden wir Einwände vorbringen und Gegenfragen stellen? Würden wir solche Ankündigungen als heillosen Optimismus abtun? Ich bin wieder bei meiner Zeichnung am Anfang: Auf der einen Seite jemand, der das Licht bezeugt – auf der anderen Seite die Misstrauischen.

Recht behalten hat der Mutige, der wusste: „Mitten unter euch steht einer …“

Am Jordan rufen wir uns die eigene

Taufe in Erinnerung

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Mag. Martin Zellinger

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