24. Dez. 2017_4. Advent

4. Advent-Sonntag = Weihnachtsabend

Zeichen

bei der Geburt

Ich möchte mich nicht mit dem 4.Adventsonntag sondern mit dem Weihnachtsevangelium befassen. Bekannt sind sie weithin in der christlichen Welt und in der Kunst: die Schilderung von der Geburt Jesu –  mehr bekannt als das, was er als erwachsener Lehrer in seinem 3 ½ jährigen öffentlichen Wirken vertreten und was er genau getan hat. Wer jedoch die Weisheit der Weih­nachts­botschaft begreifen will, muss den Mut zur Entrümpelung haben.

Er muss es gleich einmal verschieben vom 25.Dez in den April. Was wir im Winter feiern ist nicht der Geburtstag, sondern das Geburtsfest Christi, wie es erst im 4.Jahrhundert n.Chr. festgelegt wurde. (Auch nachzulesen im GOTTESLOB Nr.235) Die Christen der ersten Jahrhunderte haben das Fest nicht gefeiert und legten kaum Wert auf den Geburtstag Jesu – ähnlich wie wir nicht nach dem Geburtstag des aktuellen Papstes fragen oder des Bundeskanzlers. Wichtiger ist uns zu erfahren, welche Hoffnung sie wecken und was sie wirklich in die Tat umsetzen. Also nicht die Kindheit Jesu, sondern die Kraft, die von dem Mann Jesus ausging, war anfangs das Thema. Erst als Kaiser Konstantin 313 n.Chr. reichsweit das Christentum freigestellt hatte, entstand auch die Idee, ein Geburtsfest Christi zu feiern. Der Kaiser davor (Diokletian +305) hatte die christliche Lehre noch ausrotten wollen und verordnete als Staatsgesetz den Eingott-Glauben: „Gott ist die unbesiegbare Sonne“ (lateinisch: SOL INVICTUS) Dafür wurde eigens ein Fest zur Winter­sonnen­wende eingeführt: 25.Dez. Diesen Feiertag haben die christlichen Verantwortlichen des 4.Jh. umbenannt auf CHRISTUS als unbesiegbares Licht. Weiterentwickelt wurde das Christusbild im Pantokrator, dem Allherrscher. Byzantinische Mosaike geben ein beeindruckendes Zeugnis davon. Wir im 21.Jh. sind dabei, zurück­zufinden zum Menschen Jesus, dessen Lebensweg unter bescheidenen Lebensverhältnissen begann. Soviel zur Historie.

Nicht im Stall. Wir müssen auch die traute Weihnachtserzählung von ihrer Rührseligkeit befreien. Keine Rede ist im Evangelium von einem Stall, keine Rede vom erbarmungslosen Wirt, der die Herberge Suchenden abweist, keine Rede von der Winterkälte, wie das Lied andeutet: „Es ist ein Ros entsprungen … mitten im kalten Winter.“ Die Hirtenspiele folgen nicht sorgfältig dem Evangelium. Es klingt eher das eigene schlechte Gewissen durch, weil Christen die Tür vor Notleidenden verschließen oder das Heil von der Tür weisen, obwohl es „heute in deinem Haus“ zu Gast sein will. Jesus ist nicht im Winter geboren, wenn es stimmt, dass „die Hirten auf freiem Feld Nachtwache bei ihrer Herde hielten“. Im jüdischen Monat Nissan (unser März/April) trieben die Schafhirten erst ihr Vieh aus dem Winterstall in die freie Natur. Der frühchristliche Schriftsteller Klemens von Alexandrien (150 – 215 n.Chr.) berichtet: „Es gibt jene, die nicht nur das Jahr der Geburt unseres Herrn, sondern auch den Tag bestimmt haben und sie sagen sie fand statt im 28.Jahr des Augustus und am 25.Pachon.“ Damit kämen wir auf März/April 6 oder 5 v.Chr. Hippolit von Rom (170 – 235 n.Chr.) ist sogar der Meinung, Jesus sei am selben Kalendertag gestorben, wie er geboren wurde – am 14.Nissan jüdischer Zählung (=7.April).

Was bringen uns diese Korrekturen? Nach der Entstaubung treten die Merkmale des Evangeliums hervor: Ein Merkmal: „Maria wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe.“ Den Hirten wird gesagt: „das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“ … „Sie fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.“ Dreimal ist der Futtertrog (=Krippe) erwähnt (kein Stall!!), dazu 2 x die Faschen oder Stoffbänder, mit den ein Neugeborenes von Hals bis Fuß eingewickelt ist und sich kaum bewegen kann. Warum betont dies der Evangelienschreiber Lukas so oft? Fast kann man die Mutter Jesu 40 Jahre später im Rückblick erzählen hören: „Mein Sohn hat sich als erwachsener Mann auffressen lassen von den Leuten. Er scheute nicht die Mühe, von Dorf zu Dorf die Menschen in ihren Lebenssituationen aufzusuchen und offen zu sein für ihre Sorgen. Sie belagerten ihn und sein Wort war ihnen Nahrung. Wie zukunftsweisend doch seine Geburt war: Ich bettete den Neugeborenen in einen Futtertrog, woraus sonst die Tiere ihre Nahrung holten. Brot zu sein, das war ihm schon in die Wiege gelegt und er machte am Schluss auch das Brot zu seiner Identität.“ Dazu passt die Binde: Zeitlebens hat er immer wieder seine Freiheit geopfert, damit Geknechtete Freiheit erlangten. Und am Schluss wurde er – festgebunden am Querholz – zum Hinrichtungsplatz geführt.

Weiteres Merkmal: Vor die Hirten trat der Bote des Herrn – völlig überraschend, während der Nachtwache. Es war eine Offenbarung. Wenig gebildete Menschen lassen sich von einem mächtigen Bild eher überwältigen als die Studierten. Ein authentisches Jesus-Wort nimmt darauf Bezug: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. (Mt 11,25f) Die Unmündigen sind denen gegenüber im Vorteil, die hochintelligent sind und Berge von Wissen aufgesogen haben. Unmündige sind solche, die noch nicht zu erbberechtigten Söhnen erhoben wurden, aber es steht ihnen in Aussicht. Sie sind zugänglicher für eine Offenbarung. Glaube und Vertrauen ins Leben gründet mehr auf überraschenden Bildern als auf Bücherwissen.

Was kann das für uns heißen?

  • „Ich lass mich nicht auffressen von anderen“ oder „ich opfere  doch nicht meine Freiheit für ihn/für sie“ – das sind gängige Sprüche. Solche, die etwas vom Weihnachten verstanden haben, werden das nicht nachsprechen. Sie dürfen sich bestärkt fühlen in der Haltung "Brot für andere sein"

  • „Offenbarungen“ öffnen Perspektiven, machen Mut, sich weiter zu bewegen, sich voran zu entwickeln. Möge das kommende Jahr neue Wege eröffnen - wie das, was einem Neugeborenen bevorsteht..

 

Hirte bei Betlehem April 2009

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Mag. Martin Zellinger

Bibeltheologe, Reiseleiter & Eigentümer Lester Hof

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