11. März 2018

4. Fastensonntag

Die Wahrheit tun

Joh 3,14-21

An wen sind die Worte dieses Abschnittes aus dem Johannes-Evangellium gerichtet? In den Versen zuvor war es noch die nächtliche Unterredung Jesu mit Nikodemus. Aber der Geistliche hat leider nicht viel verstanden. Was jetzt gesagt wird, ist offensichtlich kein „Live-Mitschnitt“ jenes Gesprächs mehr.

Die Sprechrichtung hat sich gedreht. Die Worte zielen ab auf jene, die im Glauben bereits Erfahrung gesammelt haben. Drei Mal werden sie angesprochen, die IHM volles Vertrauen entgegenbringen. Ihnen wird ermutigend zugesichert, dass sie in IHM ein Leben haben, in dem nichts mehr schief gehen wird. Selbst der Tod kann ihnen nichts mehr anhaben (=ewiges Leben)

Johannes-Kirche in Ephesus 

Dieses Textstück ist anspruchsvoll und will den Vertrauenden Antworten anbieten, weil sie sich vielleicht doch quälen mit den großen Fragen: Warum musste Jesus so sterben? Was steht dahinter für ein Gottesbild? Gibt es ein Gericht – wie fällt es aus? Kann der Menschen überhaupt zur Wahrheit finden? Große Fragen – auf sie werden keine ausführlichen Abhandlungen geboten, die Antworten fallen eher knapp aus. Warum Jesus, der die Güte selbst war, so grässlich sterben musste, hat die frühen Christen zu tiefst verunsichert. Sie haben sich zu unterschiedlichen Antworten durchgerungen: 1. „Christus ist für unsere Sünden gestorben.“ Das hat Paulus vertreten und gelehrt. (1 Kor 15,3) „Wegen unserer Vergehen wurde er hingegeben.“ (Röm 4,25) 2. Andere Kreise im frühen Christentum erklären es sich so: „Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen. Und er legte ihnen dar, ausgehende von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.“ (Lk 24,26f in der Emmaus-Erzählung). Nach dieser Deutung ist das Sterben eines Gottesknechts bereits in der jüdischen Spiritualität festgeschrieben und jeder muss mit Schmerzen von feindlicher Seite rechnen, wenn er den Weg Gottes entschlossen geht. 3. Das tragische Ende Jesu war die „Erhöhung des Menschensohnes“. So erklärt es das Johannes-Evangelium. Wir sehen: Die Antwort ist keineswegs einheitlich und Gläubige werden sich dort oder dort wiederfinden und unterschiedlich damit etwas anfangen können.

 

Zur Frage nach dem Gottesbild: Der, den wir als Allmächtigen eingeflöst oder eingetrichert bekommen haben, der Schöpfungs-ursprung und die Zielrichtung des Universums, vor dem haben viele Angst. Sie befürchten eine strenge Endabrechung und Strafen. Andere haben ihn hartnäckig aus ihrem Denken verdrängt oder ignorieren ihn. Im Johannes-Evangelium zeichnet Jesus ein wunderbares, neues Gottesbild: Nicht Richter ist er, sondern Retter. Unermüdlich geht er seinen Sorgenkindern nach und bietet Gelegenheiten zur „Heimkehr“. Das geht so weit, dass er aus der Menschheit einen Sohn erstehen hat lassen, der mit jeder Faser seines Körpers diese fürsorgliche Liebe gelebt hat.

 

Zur Frage Wahrheit: Wieder eine knappe Antwort: Tun! (statt reden darüber). Wer seine erkannte Wahrheit anwendet, wird sehen, wie sie sich bewährt, er bekommt Bestätigung, sie kommt ans Licht und findet Nachahmer.

 

Diesmal hört sich das Sonntagsevangelium philosophisch-religiös an. Möglicherweise wollten die Herausgeber um etwa 100 n.Chr. auf Fragen eingehen, die durch die Konfrontation der jungen Lehre des Christentums mit der griechischen Gedankenwelt aufgeworfen wurden. Das Johannes-Evangelium dürfte ja in Ephesus abgefasst worden sein. Siehe die Johanneskirche in der heutigen Westtürkei.

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Mag. Martin Zellinger

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