18. März 2018

5. Fastensonntag

Auf Dauer erfüllt leben

Joh 12,20 - 33

Es ist erstaunlich, dass Gäste aus der griechisch-westlichen und konsumgeprägten Welt beim Osterfest des Jahres 30 in Jerusalem sich unter die jüdischen Pilger mischen. Sie wollen dort den Namen Gottes verehren, den Namen dessen, der das „Sein“ ist. Der Name JAHWE bedeutet: Ich bin, der ich bin. Sie vergöttern nicht das, was sonst die Bewohner in ihrer Umwelt hoch halten. In der reichen Welt glauben die Menschen üblicherweise an Macht-Instanzen, die andere Namen tragen, nämlich "Überlegenheit", "persönlicher Gewinn", "Will-Haben", "Vergnügen", "Rausch". Die paar spirituell interessierten Griechen tragen dem engen Jesus-Mitarbeiter Philippus eine Bitte vor, weil er offenbar neben seiner Muttersprache Aramäisch auch Griechisch beherrscht: „Wir möchten Jesus sehen.“

Tempel

    zur Zeit Jesu

      Vorhof der Völker,

         auch zugänglich

           für Nicht-Juden

Er übermittelt gemeinsam mit Andreas den Wunsch seinem Meister. Jesus ist hellhörig. „Sehen wollen sie mich? Sehen! – Oder anschauen oder gar bewundern? Verehren? “ Jesus steigt darauf nicht ein und bietet nicht sofort einen Treffpunkt an. Er schlägt keinen Termin vor, wo sie ihn bei einer Veranstaltung sehen könnten. Das verwundert, wo Jesus es doch sonst zu schätzen weiß, wenn jemand erste Anzeichen des Glaubens erkennen lässt und wo doch Jesus gleich aufbricht, wenn jemand ihn braucht. Stattdessen kommt aus seinem Mund eine Antwort, die auf den ersten Blick gar nicht dazu passt: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird.“ Letzten Sonntag (=4.Fastensonntag, siehe dortiges Sonntagswort) hieß es noch: „Der Menschensohn muss erhöht werden.“ (Joh 3) „Verherrlicht“ ist die Steigerung und bedeutet: gepriesen, gelobt, geehrt, auf die Bühne geholt, in volles Scheinwerferlicht gestellt, Licht überflutet, prachtvoll strahlend. Ja, Jesus kommt in Kürze zu hohen Ehren, aber dieser Ruhm sieht anders aus als die Welt gewohnt ist: Es ist das Sterben! Aber es ist kein vergebliches Sterben, sondern eines, das vervielfältigende Wirkung hat. Jesus macht es deutlich mit seinem Mini-Gleichnis: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ Das können die Griechen in Kürze sehen: Ein qualvolles Sterben, von dem die ganze Stadt sprechen wird. Jesus sieht bereits jetzt im Jahr 30 die Erträge seines Sterbens vor seinem geistigen Auge. Für Juden wird es ein Ärgernis sein, für Griechen ein dummes Scheitern. Ob diese jetzt Gott suchenden Griechen  so sinnlos erscheinende Dahin-Gehen Jesu als Ruhmestat verstehen werden, ist noch offen. Derselbe Philippus, der vielleicht jetzt enttäuscht ist, dass Jesus nicht sofort sich bei den Griechen zeigt, wird 20 Jahre später in Kleinasien (=heutige Westtürkei) scharenweise Menschen aus der griechischen Welt den Zugang zu Christus eröffnen. Er wird unterstützt sein von seinen zwei Töchtern, die wegen der Mission der Vaters unverheiratet („jungfräulich“) bleiben. Im Jahr 195 n.Chr. schreibt der Bischof von Ephesus dem Bischof von Rom: „Ihr Grab und das ihres Vaters sind noch dort.“ Erst 2011 hat ein italienischer Archäologe nach 5jähriger Suche das Grab gefunden - in den Ruinen der antiken Stadt Hierapolis. Die Ausgrabung beweist, dass im frühen Christentum Pilgermassen sich dort Trost holten.

Siehe http://www.sendbote.com/content/sensationeller-fund-das-grab-des-apostels-philippus

 

Viele in der Gefolgschaft Jesu werden seine Worte bestätigen, auch wenn sie scheinbar hart klingen: „Wer sein Leben liebt, verliert es. Wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.“ Mit „ewigem Leben“ ist nicht einfach das Leben im Jenseits gemeint, sondern ein erfülltes Leben, ein Leben voller Ausstrahlung, ein Leben reich an Abenteuern, ein Leben, von dem sich sogar andere angezogen fühlen. Wer sein eigenes Leben streichelt und liebkost und sich selbst verwöhnt, wer sich ständig um das eigene Wohl kümmert, fügt dem Leben Schaden zu, ruiniert es, es geht über kurz oder lang drauf. Wer das Genuss-Leben, wie es diese Welt anbietet, zurückweist, wer sich gegen die üblichen Lustansprüche verweigert, sichert sich das unzerstörbare Leben. Wer den Empfehlungen Jesu folgt, sichert sich ein gelungenes Leben auf Dauer. Es kann ihm nicht mehr abhanden kommen.

 

Jesus drängt niemandem seinen Lebensstil auf. Er fragt eher umgekehrt: „Willst du das wirklich?“ Danach führt er weiter aus: „Wer in mein Unternehmen einsteigen will, wer hier seinen Dienst tun will, der wird hinter mir nachgehen. Er kann sich nicht vor mich stellen und es besser wissen wollen. Es wird ihm mein Weg und mein Schicksal nicht erspart bleiben. Zu staatlichen Ehren wird er nicht kommen, aber er wird vom Schöpfer selbst geehrt. Die göttlich-väterliche Fürsorge wird es ihm an Würdigung nicht fehlen lassen.“ Diesem hohen Versprechen können viele zustimmen, die sich darauf schon eingelassen haben. Sie können aus eigener Erfahrung bestätigen, dass nichts heranreicht an das erfüllte Leben.

Impressum

Mag. Martin Zellinger

Bibeltheologe, Reiseleiter & Eigentümer Lester Hof

Lest 1, 4212 Kefermarkt          e-mail: m.zellinger@aon.at         Telefon: +43 (0) 699 11 50 66 45

Datenschutz ©Martin Zellinger