15. April 2018

3.Sonntag der Osterzeit

Waran erkannten

sie ihn?

Lukas 24,35-48

Die 4 Evangelien legen jeweils ihre Schwerpunkte woanders hin, wenn sie schildern, wie sich Jesus gezeigt hat über den Tod hinaus. Für Matthäus ist der Berg bedeutungsvoll, weil er ein jüdischer Schriftgelehrter ist, der zum Reich Gottes gefunden hat. Wie Mose am Berg Sinai die Gotteserfahrung hatte, so müssen auch die Jünger Jesu zum Berg gehen, weil es Jesus ihnen angeordnet hatte. Es könnte der Berg der Verklärung gewesen sein. Siehe Mt 28.

Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte (Mt 28)  - Sonnenaufgang und Berg Tabor, kürzlich aufgenommen vom Stadtrand von Nazaret aus

Für Lukas ist etwas anderes wichtig: „Sie erkannten ihn wie er das Brot brach.“ Und: „Er eröffnete ihnen den Sinn für das Verständnis der Schriften.“ Das hat die Kirche von heute so dringend nötig: Sie wird sich verwandeln in ein Netzwerk von überschaubaren kleineren Gemeinschaften, Hauskreisen, Erfahrungsrunden, herzlich miteinander verbundenen „Geschwistern“, die ganz wörtlich  das Brot miteinander brechen und darin SEINE Anwesenheit erkennen und erleben dürfen. Sie wird nicht mehr dünne Hostien austeilen, sondern EIN Brot teilen und sich an das halten, woran Paulus die Korinther erinnert: „Ist das Brot das wir brechen nicht Teilhabe am Leib Christi? Ein Leib ist es.“ (1 Kor 10,16). Paulus sagt nicht: „Der Vorsteher der Feier bricht für uns das Brot“, sondern „Wir brechen das Brot.“  

Die Kreise werden sich laufend weiter bilden im Schriftverständnis. Sie werden nicht nur lesen darin und verbal Gedanken darüber austauschen, sondern sich tief treffen lassen, weil sie methodisch vielfältiger an das Wort heran gehen. Sie werden die anderen Sinne einbeziehen: den Körper, die Berührung, das Schauen.  Das tat schon Jesus in seiner neuen Gestalt: Er öffnete alle ihre Sinne, um die Schrift zu verstehen.

Mit dieser Vision und Hoffnung fasse ich mich diesmal kurz, weil ich im Heiligen Land unterwegs bin und von hier aus das Sonntagswort schreibe.

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Mag. Martin Zellinger

Bibeltheologe, Reiseleiter & Eigentümer Lester Hof

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