29. Juli 2018

17.Sonntag i.Jahr

Die überraschende Wendung, sie ist Zeichen wofür?

Joh 6,7-13

„Die sogenannte Brotvermehrung gehört zu den bekanntesten und größten Wundern, die Jesus vollbracht hat“ – so heißt es landläufig! Aber von „Vermehrung“ zu sprechen, dazu  berechtigt uns der biblische Text nicht, wenn wir ihn mit Sorgfalt lesen, auch nicht von „Wunder“. Dass Jesus in seinen unterschiedlichen Heilbehandlungen erstaunliche Erfolge hatte, steht außer Zweifel, aber sie werden nie als Wunder bezeichnet, sondern als etwas „Kraftvolles“ (griechisch DYNAMIS). Und beim Brot für die Massen ist vom Teilen und Austeilen die Rede, nicht vom Vervielfältigen.

Die damalige Menschenmenge wird nicht die Frage beschäftigt haben, woher das viele Brot so plötzlich gekommen ist. Nur die aus dem Schülerkreis mussten sich Tage später den Vorwurf gefallen lassen, dass sie nicht zur Einsicht gekommen waren, als „das mit den Broten geschah“. Es bleibt offen, welche Einsicht.

Wir Heutige dürfen uns berechtigt die Frage stellen, wie das damals zugegangen ist. Gerade wir, die wir sehen, wie Speisen aus minderwertigen Rohstoffen massenhaft hergestellt und in verlockender Verpackung in den Regalen angepriesen werden. Leider lassen sich weite Kreise dazu verleiten, sich von billigen Massenlebensmitteln zu ernähren und damit langfristig ihrer Gesundheit zu schaden. Aus Steinen Brot zu machen, ist die Versuchung des Teufels. Die gewinnorientierte Industrie tut es. Gleichzeitig sehen wir, dass 1 Milliarde Menschen hungert, während die Wohlstands-Welt täglich Brot lastwagenweise wegschüttet. Heute brauchen wir keine Steigerung der Brotherstellung, sondern die globale gerechte Verteilung dessen, was uns die Erde und der Fleiß der Menschen hervor bringen. Brot vermehren, das kann die Lebensmittelindustrie längst, Brot aber so zu verteilen, dass alle weltweit zufrieden leben können, darum kümmern man sich kaum – nur dort und da einige Besorgte. Brauchen wir nicht einen Messias, der das schier Unmögliche fertig bringt, dass alle würdig essen können? Zum Vermehren brauchen wir keinen. Somit ist es doch berechtigt, nach Hinweisen zu suchen, ob nicht Jesus Größeres tat, als Brot-Vermehren. Fangen wir an, die Schriftstelle vom Schluss her zu lesen: Es blieben 12 gefüllte Körbe übrig. Dabei handelte es sich um weich geflochtene Rundkörbe, die so groß waren, dass sich ein Erwachsener hinein kauern konnte. Hinterfragen wir das: Woher sind die Körbe gekommen? Wer hat sie in die einsame Gegend gebracht. Wurden sie leer oder gefüllt mit Tagesproviant gebracht?  Es werden sich wohl Familienväter oder –mütter  reichlich mit Essen eingedeckt haben, wenn sie zu der riesigen Lehrveranstaltung des Meisters aus Nazaret aufbrachen.

Am Ende des Tages hätten sich wohl die Teilnehmer, die mit Proviant ausgestattet waren, stillschweigend zurück gezogen und hätten sich irgendwo unterwegs mit den eigenen Angehörigen zum Sattessen gelagert – So wäre es geschehen, hätte nicht Jesus das starke Dankgebet über die Versammlung ausgerufen: „Vater, ich danke dir, dass du ausreichend viel bereit gestellt hast für heute Abend.“ Dieses Dankgebet hatte seine Wirkung. Danach wagte er das Teilen von wenigen Brotstücken und Fischen – das der oberflächliche Mensch für sinnlos hält. Doch siehe da: Das Teilen zog Kreise. Wenn eine hoch geschätzte Persönlichkeit starke Gesten setzt, haben sie Nachahmungscharakter – nach dem Motto: „ Wir lieben dich und möchten es machen wie du.“

Jesus erzwang nie Dinge aus eigener Wunderkraft heraus, sondern er setzte immer das um, was er „vom Vater gesehen“ hatte. Diesmal hatte er das stimmungsvolle Essen der Menschenmenge schon im Voraus gesehen. Er setzte selber in die Tat um, was er in der Gebetslehre empfahl: „Alles worum ihr betet und bittet – glaubt nur, dass ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil.“ (Mk 11,24)

Wer an der übernatürlichen Wunder-Auffassung festhält, wird voll Verehrung und Verwunderung dastehen. Wer sich öffnet für die Auffassung, dass Jesus es fertig brachte, die Herzen der „Habenden zu erweichen“  und das verborgene Brot für alle zugänglich zu machen, der wird voll Bewunderung dastehen. Er wird den Wunsch verspüren, es auch ähnlich wie er zu machen: Mit geringen Vorgaben zu teilen beginnen!

Abschließend ist es noch nötig, auf die Frage einzugehen: Zu welcher Einsicht sollten sie  - und auch wir - kommen nach dem, „was mit den Broten geschah“? Die Schilderung zeigt uns: Es liegen oft Möglichkeiten bereit, wo die meisten sagen: Die Chancen sind zu gering! Denen zum Trotz: Vertraue auf die unerwartete Wende, sprich schon im Voraus das Dankgebet dafür und fang mit dem Wenigen an, was da ist, fang einfach an zum Wohl für die anderen. Halte fest an der Vision, die du anfangs gehabt hast. Das soll uns offenbar gezeigt werden. Das Johannes-Evangelium liebt das Wort „Zeichen“. Auch hier in der Brot-Geschichte kommt es zweimal vor.

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Mag. Martin Zellinger

Bibeltheologe, Reiseleiter & Eigentümer Lester Hof

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