11. Aug 2019

19.Sonntag im Jkr

Kleine Herde: Wir krempeln die Ärmel hoch

Leider ist das Sonntagswort 2 x ausgefallen - aus technischen Gruenden am Urlaubsort. Bitte um Verständnis.

Was Lukas diesmal schreibt, ist ihm so wichtig, dass er es in seinem Evangelium wiederholt, nämlich im 16.Kap. Er lässt den Herrn sagen: "Fuerchte dich nicht, du kleine Herde. Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich anzuvertrauen." Lukas schreibt dies als Ermutigung fur die Seelsoger, die Hirten, die Gemeinde-verantwortung tragen, die Presbyter. Er selbst leitet keine Gemeinde, aber er fuehlt sich verpflichtet, den Gemeindeverantwortlichen Zuspruch und Mahnung zu schreiben. "Kleine Herde" kommt im NT noch zweimal vor: in Apg 20 und 1 Petr 5. Was Lukas anschlieszt an diesen aufmunternden Einleitungssatz, entspringt seiner Sorge um die kirchliche Entwicklung seiner Zeit. Diese Sorge trifft auch unsere heutige Entwicklung. Damals waren die Christus-Gemeinden noch ein winzigkleiner Anteil an der mächtigen römischen Gesellschaft, heute schrumpfen die Kirchen und werden wieder klein. Die Sorge, dass sie auf diese Weise zur Bedeutugslosigkeit absinken koennten, ist nicht berechtigt. Diese Entwicklung hat der "Vater" fuer gut befunden. Es ist seine weise Entscheidung. Auf diese Art will er sein  Imperium aufbauen, dass sich im aktuellen Weltreich des Geldes und des Konsums durchsetzen und es unterwandern kann.

Lukas 12,32 – 48

Paulus steigt in Ephesus in das Schiff, das ihn auf seine schicksalshafte Reise nach Jerualsem bringen wird. Zuvor hat er die Gemeinde-Verantwortlichen von Ephesus zu sich gebeten, um sie zu ermutigen und zu ermahen. Dann haben sie ihn zum Hafen begleitet. Das Wort "Herdchen" /klleine Herde kommt dreimal vor im Neuen Testament: 1. im heutigen Lukas-Evangelium, 2. in der Apostelgeshichte 3. im 1. Petursbrief 

Das riesige modernes Passagier-Schiff der Hurtigruten auf den Lofoten erinnert an die Schiffsreise des Paulus.

Deshalb duerfen sich ihre Mitglieder und schon gar nicht die Verantworlichen verleiten lassen, ihr Glueck und ihre Lebensgrundlage im Besitz zu sichen. "Nuetzt eure eigene wirtschaftliche Sicherheit, um Menschen in sozialen Schwierigkeiten  zu helfen - wenn auch kurzfristig und spontan, um sie aus ihrer aktuellen Not zu retten. Damit legt ihr euch ein Konto an, dass weit höhere Zinsen abwirft, als jede Bank zu bieten in der Lage ist." Lukas ist selbst Teil einer wohlhabenden Gesellschaft und weisz, wovon erspricht.

Im zweiten Absatz wirbt Lukas dafuer, entschlossen zuzupacken, wo gesellschaftlicher Hunger zu spueren ist. "Guertel um die Hueften" heiszt soviel wie: Statt lange Abendkleider zu tragen und sich durch feines Essen in gute Stimmung zu versetzen, sollten wir in Arbeitskleidung schluepfen und Ärmel hochkrempeln. Wir brauchen nicht die ganze Welt zu verändern, sondern wachen Geist und wache Augen behalten, wo aktuelle jemand Hilfe braucht. Wer sich nicht zu gut ist, fuer sozial Schwache den Diener zu machen, der wird erleben, dass ihn der Herr zum Festmahl einladen wird und ihn bewirten wird. Einem nach dem anderen wird er seine Anerkennung ausdruecken und mit einer Ehrung auszeichnen.

Im dritten Absatz kommt Lukas auf die Gemeindeverantwortlichen zu sprechen, die es sich leicht machen, die ihren Job wegen des Geldes machen, die sich um ihr eigenes Wohl mehr sorgen als um das der ihnen Anvertrauten. Lukas macht sich nichts vor: Es gibt gute und leider auch nachlässige. Es gibt viele, die es sich gut gehen lassen (essen und trinken) eine ruhige Kugel scheiben und fest im Sattel ihres Amtes sitzen. Er nennt sie "Verwalter" und "Knechte" gleichzeitig. Sie sollen sich bewusst machen, dass sie vom Herrn eingesetzt wurden dafuer, dass sie die Herde mit dem versogen muessen, was sie Tag fuer Tag zum Leben brauchen. Es muss nahrhaft sein und heilsam. Sie muessen sich davon sättigen köennen. In aller Eindringlichkeit ruft Lukas auf: "Ihr werdet zur Verantwortung gezogen! Die Stunde kommt und zwar ueberraschend." Wer da einiges aufzuräumen und richtig zu stellen hat, soll das nicht in die Zukunft verschieben.
Wie sehr dies alles dem Schriftsteller Lukas unter den Nägeln brennt, entnehmen wir einer themengleichen beruehrenden Stelle aus der Apostelgeschichte. Dort nimmt  Paulus  fuer immer Abschied von den Gemeinde-Verantwortlichen aus Ephesus. Es beeindruckt, auch wenn man es ohne Auslegung liest. Darin ermutigt er auch die "kleine Herde"

Lukas lässt Paulus sagen: "Ihr wisst, wie ich vom ersten Tag an, seit ich die Provinz Asien betreten habe, die ganze Zeit in eurer Mitte war und wie ich dem Herrn in aller Demut diente unter Tränen und vielen Prüfungen, die ich durch die Nachstellungen der Juden erlitten habe, wie ich nichts verschwiegen habe von dem, was heilsam ist. Ich habe es euch verkündigt und habe euch gelehrt, öffentlich und in den Häusern. Ich habe Juden und Griechen beschworen, sich zu Gott zu bekehren und an Jesus Christus, unseren Herrn, zu glauben. Nun ziehe ich, gebunden durch den Geist, nach Jerusalem, und ich weiß nicht, was dort mit mir geschehen wird. Nun aber weiß ich, dass ihr mich nicht mehr von Angesicht sehen werdet, ihr alle, zu denen ich gekommen bin und denen ich das Reich verkündet habe.Darum bezeuge ich euch am heutigen Tag: Ich bin unschuldig, wenn einer von euch allen verlorengeht. Denn ich habe mich der Pflicht nicht entzogen, euch den ganzen Willen Gottes zu verkünden. Gebt acht auf euch und auf die ganze Herde, in der euch der Heilige Geist zu Vorstehern bestellt hat, damit ihr als Hirten für die Kirche Gottes sorgt, die er sich durch das Blut seines eigenen Sohnes erworben hat. Ich weiß: Nach meinem Weggang werden reißende Wölfe bei euch eindringen und die Herde nicht schonen. Und selbst aus eurer Mitte werden Männer auftreten, die mit ihren falschen Reden die Jünger auf ihre Seite ziehen. Seid also wachsam, und denkt daran, dass ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht aufgehört habe, unter Tränen jeden einzelnen zu ermahnen. Und jetzt vertraue ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an, das die Kraft hat, aufzubauen und das Erbe in der Gemeinschaft der Geheiligten zu verleihen. Silber oder Gold oder Kleider habe ich von keinem verlangt; ihr wisst selbst, dass für meinen Unterhalt und den meiner Begleiter diese Hände hier gearbeitet haben. In allem habe ich euch gezeigt, dass man sich auf diese Weise abmühen und sich der Schwachen annehmen soll, in Erinnerung an die Worte Jesu, des Herrn, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als nehmen. Nach diesen Worten kniete er nieder und betete mit ihnen allen. Und alle brachen in lautes Weinen aus, fielen Paulus um den Hals und küssten ihn; am meisten schmerzte sie sein Wort, sie würden ihn nicht mehr von Angesicht sehen. Dann begleiteten sie ihn zum Schiff. (Apg 20,18-38)

Anhang:aus derselben Zeitepoche und mit demselben Anliegen "Sorgt als Hirten für die euch anvertraute Herde Gottes, nicht aus Zwang, sondern freiwillig, wie Gott es will; auch nicht aus Gewinnsucht, sondern aus Neigung. (1Pe 5:2)

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Mag. Martin Zellinger

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