24. Juni 2018

12.Sonntag i.Jahr

Geprägt im Mutterleib

Lukas 1,57 – 66.80

Wir wissen weder das Geburtsdatum des Täufers noch das des Christus, trotzdem feiern wir beide Ereignisse, das eine im Winter das andere im Sommer – 6 Monate versetzt. Um die Geburt des Täufers wird nicht so viel Aufsehen gemacht, aber erstaunlich, dass die Kirche daraus ein Hochfest gemacht hat.

 

Aus der pränatalen Forschung wissen wir heute, wie sehr die Umstände der Geburt und die 9 Monate davor einen Menschen prägen können. Weder von Jesus noch von seinen Aposteln und den ihn begleitenden Frauen sind uns diesbezüglich nähere Umstände geschildert, nur von Johannes. Wohl beschreibt Paulus im Zusammenhang mit seiner Lebenswende Gott als eine Einflusskraft, die ihn „schon im Mutterleib erwählt und durch seine Gnade berufen hat“ (Gal 1,15). Es ist dies ein Zitat aus Jesaja, wonach ein Gottesknecht schon geprägt wird, während er noch im Schoß seiner Mutter ist, und in dieser Phase wird schon sein Name genannt, es wird also etwas grundgelegt, wonach er sich später auszeichnen wird. (Jes 49,1)

 

Was nun hat Johannes vorgeburtlich geprägt? Es war die Sprachlosigkeit des Vaters und die freiwillige Zurückgezogenheit und das Schweigen der Mutter in mehr als der halben Schwangerschaft. Dem Priester Zacharias war gesagt worden, dass ihm noch im Alter das Vaterglück zuteilwürde. Er hatte die Ankündigung hinterfragt, Er hatte dem Überbringer der erfreulichen Nachricht Einwände entgegen gehalten, um diese Hoffnung als unvernünftig abzukanzeln – er, der am Altar regelmäßig Dienst tat. Dafür hatte er 9 Monate Sprachlosigkeit als Lehreinheit verpasst bekommen. Er war ab sofort  in seinem Priesterdienst nicht mehr fähig, die Segensworte auszusprechen, die das Volk von ihm erwartete. Er konnte sie nur in Gesten zeigen. Nach dem Tempel-Turnusdienst wieder zu Hause angekommen musste er sein Leben verlangsamen. Er konnte seiner Frau nicht mit Worten, sondern in Gesten die Gattenliebe zeigen und  endlich wurde sie schwanger. Aber sie hatte in ihrem Mann nun keinen Gesprächspartner, weil er ja stumm war. Daher entschied sie sich für die Enthaltsamkeit der Worte. So etwas prägt ein Kind im Mutterleib. Der Embryo hört kein Zwiegespräch der Eltern, höchstens das Zwiegespräch der Schwangeren mit Gott: „Du hast dich als meine Hilfe erwiesen! Du hast auf mich als Frau geschaut. Du hast eine Schmach von mir genommen, die nicht ich verschuldet habe, die mir aber die Menschen aufgeladen haben.“ Diese Dankbarkeit wird sie auch im Frau-zu-Frau-Zwiegespräch immer wieder ausgedrückt haben, als ihr die entzückende junge Cousine Maria – ebenfalls schwanger – 3 Monate beigestanden ist. Daraus entpuppte sich der Name Johannes, mit dem niemand in der Verwandtschaft gerechnet hat. Der Name wird zur Botschaft: „Gott erbarmt sich.“ Gott befreit von der Schuldenlast. Er nimmt die belastende Vergangenheit von deinen gekrümmten Schultern und von deinem blutenden Herzen. Der Vater des Johannes bestätigt schriftlich den Namen und kann ab jetzt seine Stimme wieder gebrauchen. Diese Prägung wird dem künftigen Wegbereiter Johannes in die Wiege gelegt und als Erwachsener wird er zu dieser Botschaft den entsprechenden Ritus erfinden: die Jordantaufe als Schulderlass. Johannes ist ein Mann, der schon vor der Geburt mit der Stille vertraut geworden ist und der auch als Erwachsener aus der Stille schöpft.

Im Frühjahr 2017 haben sich viele Teilnehmer des Linzer Bibelkurses mit  der Themenreihe „Engel“ beschäftigt. Hier stellen sie mit Figuren auf, wie der Bote dem Priester Zacharias spätes Vaterglück ankündigt.

Der Priester und Vater des Johannes vertraute dem Boten nicht, daher war er nicht fähig den draußen wartenden Gläubigen die Segensworte zu zu sprechen. Im Hintergrund hofft seine Frau ein Kind zu bekommen.

Diese biblische Schilderung klingt fast nach einem Märchen, aber sie wird wohl real sein, denn solche Einzelheiten erfindet man nicht. Wir täten gut daran, auch unseren persönlichen Umständen der Geburt und der Zeit davor nachzuforschen un sie nicht als Märchen abzutun. Auch in die Namensgebung dürfen wir hinein horchen. Es sind uns vielleicht schablonenhaft wiederholte Kurzerzählung aus der eigenen frühen Kindheit bekannt, aber wir dürfen ruhig tiefer hineinspüren. Dieselbe Kraft, die das Universum in Gang gebracht hat, wollte auch jeden von uns auf den Weg schicken. Sie hat uns eine wohlgemeinte frühe Prägung für das Leben mitgegeben.

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Mag. Martin Zellinger

Bibeltheologe, Reiseleiter & Eigentümer Lester Hof

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