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1.Feb. 2026      4.Sonntag im Jahreskreis

Wer ist laut Jesus besser dran?

Matthäus 5,1-12a

Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie.

Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden;  denn sie werden getröstet werden.

Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben.

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit;  denn sie werden gesättigt werden.

Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.

Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen.

Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.

Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel. So wurden nämlich schon vor euch die Propheten verfolgt.

Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.

Armut ist nicht  unbedingt ein Ideal-Zustand. Mit Selig-die-Armen sind nicht einfach die gemeint, die in den Elendsvierteln hausen. Auch Parteien, die sich als Vertreter der Armen ausgeben und gleichzeitig den Neid auf die Reichen schüren, machen die Welt nicht besser. Den Reichen Flüche entgegen zu schleudern und Hass gegen sie zu predigen, nützt den Armen wenig. Man darf das Böse niemandem wünschen. Verwünschungen verderben andere Menschen und sich selbst und sie halten  länger an als eine rohe Gewalt-Tat .

So mancher Reicher, mancher materiell Wohlhabender kann ein Armer im Geiste sein, denn er bedient sich des Goldes nicht für seinen Luxus, sondern zu seiner Heiligung. Er hilft immer wieder jemandem aus seiner aktuellen Not, indem er auch da ohne Zögern in seine Geldtasche greift. Damit erwirbt er sich ein Stück des Himmelreiches. Der materiell Arme tut sich oft leichter, arm  im Geiste zu sein, denn er ist arm und doch glücklich. Das einfache Essen mundet ihm köstlich. Er muss kein fünfgängiges Menü mit exotischen Speisen haben. In seinem Leben  hat er den Vorteil, dass er unbelastet ist von dem Fieber der Wohlhabenden, die das immer noch Edlere und Bessere haben müssen. Sein Schlaf ist nicht von Alpträumen belastet, er geht ausgeruht und heiter ans Tagewerk.

Die Pilgergruppe bespricht gerade am Berg der Seligpreisungen die passenden Sätze aus dem Evangelium. Im Hintergrund die Kirche der Seligpreisungen. 

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Wir beurteilen den Reichtum meist am Gold, am Auto, am Haus – es ist das erste, wo ein Übermaß schädlich ist. Es gibt noch ein zweites, nämlich der moralische Reichtum: öffentliche Ämter, Überfülle an Wissen und Information, andauernde Unterhaltung, unzählige Kontakte, die aber  oberflächlich sind. Wenn die Sache übermäßig ist, richtet sie Schaden an. Es gibt Menschen, die sich für einen einfachen Lebensstil entschieden haben, einige wenige Menschen leben sogar gänzlich besitzfrei. Das verschafft ihnen den Vorteil, dass kein Machthaber sie unter Druck setzen kann durch Enteignung. Sie sind frei und unabhängig. Wer sich für Besitzfreiheit zugunsten Gottes entschieden hat, dem stehen Türen offen zu Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, den unteren und den oberen. Sie besitzen die Weltordnung Gottes, ihnen gehört das Imperium der Liebe.

Selig die Trauernden;  denn sie werden getröstet werden.

Schmerz lässt Menschen Tränen vergießen. Das Leid kann verursacht sein durch Schicksalsschläge, durch Naturkatastrophen, durch Krankheit. Schlimmer und leidvoller sind tödliche Waffen, also vom Menschen verursachtes Leid. Wenn jemand Tränen vergießt wegen seines Leids, dann braucht er nicht zu fürchten, er würde sich damit erniedrigen. Nein, er zeigt anderen, wie es ihm wirklich geht und gibt ihnen Gelegenheit, Anteil zu nehmen. Wer schon einmal schweres Leid zu tragen hatte, der  ist imstande den Schmerz anderer zu verstehen. Er weiß aus Erfahrung, wie weh es tut, im Leid allein zu sein. Hingegen den Schmerz zu verbergen, ist nicht Heldentum, sondern Stolz. Manche sagen: Ich gebe mir keine Blöße, lasse mir nichts anmerken. Trauer zu zeigen, gibt anderen die Gelegenheit, beizustehen, zu trösten, zu begleiten. Das hat nichts mit Dauerjammern zu tun. Solche Leute nehmen oft gar keine Hilfe an. Großartig sind die Brüder und Schwestern in der Gemeinschaft, die ein Feingefühl haben für den Leidenden.  Paulus fordert die Gemeindemitglieder auf:  „Darum tröstet und ermahnt einander, und einer richte den andern auf, wie ihr es schon tut.“ (1 Thess 5,11)

 

Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben.

Scheinbarer steht das tägliche Leben in Widerspruch dazu: Die Welt beweist doch das Gegenteil: Die Gebieterischen setzen sich durch, die Herrschsüchtigen, ihnen gehört der Triumph. Sie unterwerfen sich die Staatsbürger, die Mitarbeiter im Betrieb, Familienangehörige. Sie kommen mit ihren Plänen überfallsartig daher, anmaßend und dulden keinen Widerspruch. Sie unterwerfen sich ihre Mitmenschen. Aber: Deren Verstand und deren Herz können sie nicht unterwerfen. Der Sanftmütige hingegen setzt seine Idee durch, indem er auch andere zu Wort kommen lässt. Er wird Zuspruch finden, weil er bescheiden etwas Gutes vorbringt und geduldig vorantreibt. Damit wird er sogar Stolze und Gehässige besiegen. Jesus sagt: „So wird die Welt langfristig euch gehören und damit gehört sie Gott, dem absoluten Herrn. Ihn anerkennt ihr durch eure Sanftmut.“

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit;  denn sie werden gesättigt werden.

Hunger hat der Mensch von der Geburt bis zum Tod. Das Neugeborene saugt an der Brust der Mutter und viele Menschen bleiben in dieser Haltung zeitlebens: Sie machen aus der Erde ein riesiges Euter, an dem sie unersättlich saugen. Nun gibt es Gott-Sei-Dank auch Menschen, die sich sättigen an der spirituellen Nahrung. Sie hungern danach, dem gerecht zu werden, was Gott vorhat mit der Welt. Gott möchte seine Geschöpfe an seine Brust legen und er möchte, dass  sie sich von ihm nähren – von ihm, der den Menschen das Beste will. Der Menschen ist für das Paradies geschaffen, nicht für den Supermarkt. Der Schöpfer hat ihn nach seinem Bild geschaffen, und glücklich sind jene, die Sehnsucht haben, diesem Bild gerecht zu werden. Das ist kein unrealistischer Hunger, er wird gestillt werden. 

 

Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.

Es gibt Menschen, sie sich sagen: Ich lebe im Wohlstand, den habe ich mir erarbeitet, und vom Elend anderer will ich nichts hören. Es gibt auch viele Menschen die Mitleid haben und  ein bisschen etwas hergeben von ihrem Überfluss, weil sie hören vom Elend und die Not lindern möchten. Ihr Mitleid hört aber dort auf, wo sie merken, dass die in Not Geratenen teilweise selber schuld sind. Dann  gibt es Menschen, die sogar denen noch heraus helfen aus ihrer Sackgasse. Die haben mehr als Mitleid, sie sind barmherzig. Sie wissen, dass alle einmal Verzeihung nötig haben. Barmherzigkeit bedarf der Übung, so wie  auch verzeihen und beistehen geübt werden muss. Wer es immer wieder versucht, wird Fortschritte machen. Er wird vor allem erleben, dass auch ihm im entscheidenden Augenblick verziehen wird. Er wird vor der ganz großen Autorität Erbarmen finden. Er wird Milde und Nachsicht erleben in der großen und letzten Beurteilung seines eigenen Lebens.

 

Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen.

Mit reinem Herz sind  nicht die gemeint, die eine reine Weste haben, die tadellos und unnahbar erscheinen. Diese verkehren auch lieber in gehobenen, edlen Kreisen, geben sich mit Menschen nicht ab, die einmal auf die schiefe Bahn geraten sind. Die Überheblichen lassen sich auch keine Schandtaten nachsagen. Die mit reinem Herzen hingegen, können sich in Elendsviertel begeben und finden auch dort noch Spuren von der Schönheit Gottes. Sie gehen durch dreckige Straßen und geben sich ab mit Menschen mit schlechtem Ruf. Sie tragen dennoch den reinen Glanz Gottes mit sich. Ihre Gespräche sind offenherzig und ohne böse Hintergedanken. Ihre Blicke sind rein, ihre Worte sind rein, ihre Umarmungen sind rein. Wer auf diese Weise rein ist, hat schon auf der Erde eine Vorahnung vom Himmel. Der Reine kennt nicht das schnelle Vergnügen, die laute Unterhaltung, den ständigen Wechsel von immer Neuem. Er besitzt das Göttliche und freut sich, es regelmäßig sehen zu dürfen. Er hat gelernt vor Gott zu verweilen und er ist glücklich, ihn betrachten zu dürfen. Das lässt ihn heilig werden, weise werden, stark werden.  

Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden

Es gibt Menschen, die einen Zaun um ihren Besitz errichten und sagen: Ich möchte meinen Frieden haben und ich lasse auch alle rundherum in Frieden. Damit sind sie noch keine Friedensstifter. Es gibt Menschen, die einen Frieden verbreiten, wo sie auftreten. Dabei brauchen sie nicht einmal viel zu reden. Sie ruhen in sich, sie sind Herr ihrer selbst und sie verfügen über eine innere Festigkeit, die von Gott herrührt. Sie sind das Gegenbild zum jähzornigen Menschen, diese sind Söhne der Wut, Söhne der Spaltung. Die Friedfertigen sind Söhne der Einigkeit und der Harmonie, man kann sie als Söhne und Töchter Gottes bezeichnen. 

Impressum

Datenschutz ©Martin Zellinger

Mag. Martin Zellinger              Bibeltheologe, Reiseleiter, wohnhaft am Lester Hof bei Freistadt Oberösterreich

Lest 1, 4212 Kefermarkt          e-mail: m.zellinger@aon.at         Telefon: +43 (0) 699 11 50 66 45

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