
15.Nov. 2026 33.Sonntag im Jahreskreis
Der König kommt abrechnen
Mt 25,14 – 30 // Lk 19,11-27
Weil Jesus schon nahe bei Jerusalem war, meinten die Menschen, die von alldem hörten, das Reich Gottes werde sofort erscheinen. Daher erzählte er ihnen ein weiteres Gleichnis. Er sagte: Ein Mann von vornehmer Herkunft wollte in ein fernes Land reisen, um die Königswürde für sich zu erlangen und dann zurückzukehren. Er rief zehn seiner Diener zu sich, verteilte unter sie zehn Minen und sagte: Macht Geschäfte damit, bis ich wiederkomme! Seine Bürger jedoch hassten ihn und schickten eine Gesandtschaft hinter ihm her und ließen sagen: Wir wollen nicht, dass dieser Mann über uns König wird. Und es geschah, als er die Königswürde empfangen hatte und zurückkehrte, da ließ er die Diener, denen er das Geld gegeben hatte, zu sich rufen. Er wollte sehen, welchen Gewinn sie bei ihren Geschäften erzielt hatten. Der erste kam und sagte: Herr, deine Mine hat zehn Minen eingebracht. Da sagte der König zu ihm: Sehr gut, du bist ein guter Diener. Weil du im Kleinsten zuverlässig warst, sollst du Herr über zehn Städte werden. Der zweite kam und sagte: Herr, deine Mine hat fünf Minen eingebracht. Zu ihm sagte der König: Du sollst über fünf Städte herrschen. Nun kam ein anderer und sagte: Herr, siehe deine Mine. Ich habe sie in einem Schweißtuch aufbewahrt; denn ich hatte Angst vor dir, weil du ein strenger Mann bist: Du hebst ab, was du nicht eingezahlt hast, und erntest, was du nicht gesät hast. Der König antwortete: Aus deinem eigenen Mund spreche ich dir das Urteil. Du bist ein schlechter Diener. Du hast gewusst, dass ich ein strenger Mann bin? Dass ich abhebe, was ich nicht eingezahlt habe, und ernte, was ich nicht gesät habe? Warum hast du dann mein Geld nicht auf die Bank gebracht? Dann hätte ich es bei der Rückkehr mit Zinsen abheben können. Und zu denen, die dabeistanden, sagte er: Nehmt ihm die Mine weg und gebt sie dem, der die zehn Minen hat! Sie sagten zu ihm: Herr, er hat doch schon zehn. Ich sage euch: Wer hat, dem wird gegeben werden; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Doch meine Feinde, die nicht wollten, dass ich ihr König werde – bringt sie her und macht sie vor meinen Augen nieder! (Lk 19)
Bevor wir uns in das Gleichnis vom anvertrauten Geld vertiefen, sollten wir uns vor Augen führen, in welcher Lage sich Jesus befand, als er es vortrug. Er näherte sich Jerusalem gemeinsam mit seinem Schülerkreis und einer großen Zahl von Mit-Pilgern zum Paschafest des Jahres 30. Es sollte sein letztes Feiern sein und es waren keine zwei Wochen mehr bis dahin. Die Menschen in seinem Umfeld ließen sich nicht abbringen von der Erwartung, dass dies >seine Stunde< sein würde, nämlich die Stunde, dass die jetzige Regierung gestürzt würde und er selbst als der lange erhoffte Davids-Sohn den Thron besteigen würde. Der Großteil der jüdischen Bevölkerung, der von ihm schon lange begeistert war, steigerte sich in Hochstimmung, während seine Gegner, die führenden Parteien im Land, schäumten vor Hass und Feindseligkeit.
Jesus hatte seinen engsten Vertrauten, den Zwölf, schon mehrmals klarzumachen versucht, dass die Hohepriester, der Stadtadel und die Gelehrten der Heiligen Schriften ihn demnächst zum Tod verurteilen würden. Sein Schülerkreis war taub für diese Vorwarnung. Sie beharrten auf ihren beschönigenden Vorstellungen vom politischen Sieg. Nun versuchte es Jesus ein letztes Mal, sie aufzuklären. Diesmal griff er zur Methode der anschaulichen Lehrgeschichte. Da durften auch Leute mithören, die nicht zum engeren Kreis gehörten. Jesus wusste als hervorragender Pädagoge und Lehrmeister, dass sich Bilder längerfristig einprägen würden. Auch wenn seine Zuhörer jetzt noch nicht fähig waren, den Sinn zu verstehen, so würden sie doch die Erzähl-Bilder behalten und lange später ihre tieferliegende Aussage verstehen. So erzählte Jesus wie gewohnt sehr anschaulich (Wir folgen diesmal nicht der Version des Matthäus-Evangeliums, obwohl es der Jahres-Leseordnung entsprechen würde. Wir haben uns für Lukas entschieden, weil er viel genauer den „Original-Ton“ Jesu wiedergibt. Matthäus hat leider in einigen Punkten Abänderungen und Kürzungen vorgenommen, auf die wir erst am Ende eingehen wollen.)

Im Kunsthistorischen Museum Wien sind Münzen zu sehen, die Archelaus selbst prägen ließ. Die Vorderseite (oben) zeigt ein doppeltes Füllhorn. Die Rückseite eine Galeere - vielleicht als Erinnerung an seine "große" Romreise, in der ihn Augustus zum Ethnarchen (=Völkerfürst) ernannte. Den Königstitel stellte er ihm für später in Aussicht, aber den erlangte er nie.

Jesus erzählte: Ein Mann aus fürstlichem Haus hatte vor, in ein ganz fernes Land zu reisen, um sich die Königsherrschaft zu holen. Als König, der von höchster Autorität bestätigt sei, wollte er dann zurückkehren. Er rief zehn seiner eigenen Bediensteten und gab ihnen je gleiche Geldbeträge in Form von teuren Silbermünzen. Der Geldwert betrug 10 Minen. Er gab ihnen den Auftrag: Seid geschäftstüchtig damit, handelt, lasst den Geldbetrag arbeiten, während ich fort bin. (Macht Business, würden wir heute sagen!) Ihr habt Zeit, bis ich komme. (1 Mine = 100 Denare = halbes Jahreseinkommen eines Arbeiters, nach heutigem Geld 50.000 €. Die Einheitsübersetzung schreibt: „Er verteilte unter sie 10 Minen“, aber der Originaltext sagt: „Er gab ihnen 10 Minen.“ Gemeint ist, dass jeder eine Mine bekam.Da die Bürger seines Landes diesen Thronanwärter hassten, schickten sie eine Abordnung hinter ihm her und sagten: „Wir wollen nicht, dass derjenige über uns herrscht.“ Dennoch geschah es, dass der Fürst die Königsherrschaft übertragen bekam.
Wenn Jesus hier von der Fernreise eines königlichen Sohnes spricht, ist das eine versteckte Anspielung auf ein Ereignis, das etwa 30 Jahre zurücklag. Herodes der Große war im Jahr 4 v.Chr. verstorben und hatte sein Königreich testamentarisch auf drei sehr unterschiedliche Söhne aufgeteilt. Das Kerngebiet, nämlich Judäa mit der Hauptstadt Jerusalem, dazu Samaria und Idumäa, wies er dem ältesten noch lebenden Sohn zu: das war Archelaos, damals 19jährig (geb.23 v.Chr., gest. 18 n.Chr.). Drei andere Söhne, die dem alten Herodes missliebig waren, hatte er ja aus dem Weg räumen lassen. Der Kaiser in Rom – es war damals Augustus – mischte sich in die Königsnachfolge in den Ländern ein, die irgendwie von ihm abhängigen waren. So konnte jemand nur König werden, der von Augustus persönlich gebilligt und bestätigt war. Die jüdische Führung wollte damals um jeden Preis verhindern, dass dieser Archelaos die Herrschaftsvollmacht bekäme, denn er war noch grausamer als sein Vater Herodes der Erste. Noch vor der Rom-Reise hatte Archelaus einen Aufstand der Pharisäer-Partei im Tempel so brutal niedergeschlagen, dass es 3000 Juden das Leben kostete. Augustus entschied sich dennoch für Archelaus.
Die wirtschaftliche Tüchtigkeit seines Vaters Herodes fehlte ihm ebenso. Er verfügte über ein Jahreseinkommen von 600 Talenten durch Steuern und Besitz. (1 Talent entsprich 600.000 €. Das ergibt 360 Mill. € jährlich.) In Jericho stellte Archelaus den Königspalast prächtig wieder her. Als Herrscher war er so unfähig, dass die jüdische Führung nach 10 Jahre wieder eine Delegation nach Rom schickte, diesmal mit Erfolg: Aufgrund der Beschwerde entzog ihm Kaiser Augustus die Herrschermacht und verbannte ihn nach Gallien (bei Lyon). Das war im Jahr 6 n.Chr. Dort verstarb er 8 Jahre später im Alter von nur 41 Jahren. Rom konfiszierte im Jahr 6 sein Vermögen und gliederte Judäa in die Provinz Syrien ein. Kaiser Augustus setzte dort nun einen Statthalter ein, er hieß Quirinus. Wenn Jesus seine Lehrgeschichte im Jahr 30 erzählte, lagen die Ereignisse schon 3 Jahrzehnte zurück, aber es machte ihm seine frühe Kindheit bewusst. Jesus war damals kaum 3 Jahre alt. Josef war mit ihm und seiner Mutter nach Ägypten geflohen – er war damals also ein Flüchtlingskind. Als die Gefahr vorbei war, kehrte die Familie wieder nach Israel zurück. „Als Josef aber hörte, dass in Judäa Archelaus anstelle seines Vaters regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen“ (Mt 2,22) – mit „dorthin“ ist Betlehem gemeint. Wäre Archelaus nicht von Rom als König bestätigt worden, hätte wohl das Leben Jesu einen anderen Verlauf genommen, er wäre in Betlehem aufgewachsen statt in Nazaret. Aber zurück zur Lehrgeschichte: Jesus hat darin keine der historischen Herrscher-Persönlichkeiten namentlich genannt: weder Archelaus noch Augustus. Anstelle zu sagen „Er reiste nach Rom“, sagt er: „In ein weit entferntes Land“
Nach der Rückkehr dieses >Mannes aus königlichem Haus< erfolgte nicht zuerst die Bestrafung der Widersacher, sondern es ertönte der laute Ruf an die Bediensteten, denen er das Silbergeld gegeben hatte. Sie sollten vor ihn treten. Er setzte voraus, dass jeder Geschäfte gemacht hatte, und nun wollte er sehen, wieviel sie erreicht hatten. Er wollte Erträge sehen und nicht, dass die Silberstücke sicher erhalten geblieben waren. Sie sollten die Gaben ja nicht absichern, sondern ausbauen.
So erschien der Erste vor ihm. Er sagte: „Herr, die eine Mine von dir hat weitergearbeitet auf 10 Minen.“ Er sagt nicht: „Ich (!) habe zehn erwirtschaftet.“ Die frühere Einheitsübersetzung schrieb noch irrtümlich so: „Herr, ich habe mit deiner Mine zehn Minen erwirtschaftet.“ Der Diener rühmte sich nicht seiner Leistung, sondern bekannte, dass der Erfolg möglich war aufgrund des Vertrauensvorschusses, aufgrund der Gabe des Herrn. Der König lobte ihn: „Sehr gut, du tüchtiger Mitarbeiter. Weil du im Kleinen zuverlässig warst, sollst du die Vollmacht über zehn Städte erhalten.“
Der zweite erschien vor dem König und sagte: „Herr, die Mine von dir hat fünf gemacht“ Er sagt nicht „weitergearbeitet“, sondern „gemacht“. Zu ihm sagte der König: „Ich setze dich über fünf Städte“ Hier fällt die Anerkennung des Königs nicht mehr so überschwänglich aus: Er spricht keine Lobesworte und erteilt ihm nicht die Vollmacht über die Städte, aber immerhin die Aufsicht.
Schließlich kam ein anderer (nicht „der Dritte“). Er sagte: “Herr, siehe! Deine Mine! Ich habe sie in einem Tuch aufbewahrt, das zum Schweiß abwischen dient. Ich hatte nämlich Angst vor dir, weil du ein strenger Mann bist. Du nimmst dir, was nicht du selber hinterlegt hast. Du erntest, was nicht du gesät hast, sondern wo andere die bäuerliche Arbeit geleistet haben.“ An dieser Antwort fällt einiges sofort auf: Sie ist länger als von denen, die etwas vorweisen können. Der prüfende König wird als „streng“ bezeichnet, griechisch AUSTEROS. In der griechischen Literatur wird damit auch einer bezeichnet, der als Finanzinspektor Härte zeigt. Die Rechtfertigung ist widersprüchlich: Aus der Angst hätte sich die Person gerade mehr anstrengen müssen. Das einzige, was sie getan hat, war es, dass sie die wertvolle Gabe aufbewahrt, „konserviert“ hat, aber damit auch unerreichbar gemacht hat für andere. Die Person ist nicht bereit, ihr Versagen einzugestehen, sondern sie geht sofort auf Gegenangriff. Sie maßt sich an, den König selbst anzuklagen. Der jedoch ließ sich nicht aus der Fassung bringen, sondern gab es im gleichen Maß zurück. Er sagte: „Aufgrund der Aussage deines eigenen Mundes werde ich dich richten, du untauglicher Bediensteter. Du wusstest, dass ich so bin, ich der Strenge. (Das „Ich bin“ ist betont im Original-Text.) Du hast gewusst, dass ich abhebe, was ich nicht einbezahlt habe, dass ich ernte, was ich nicht gesät habe. Du hättest wenigsten eines tun können: Andere mit meinem Geld arbeiten lassen! Warum hast du die Mine nicht zur Bank gebracht? Dann hätte ich sie bei der Rückkehr mit Zinsen abheben können. (Das Bankwesen war in der Antike durchaus verbreitet. Wucherzinsen bis zu 60 % waren an der Tagesordnung. Deshalb musste Kaiser Augustus regulierend eingreifen. Er legte einen Jahreshöchstzinssatz von 12 % gesetzlich fest.)
Zu denen, die dabeistanden, sagte der König: „Nehmt ihm die Mine weg und gebt sie dem, der die 10 Minen hat“. Darauf erwiderten sie: „Herr, er hat doch schon 10“ Damit endet die Überprüfung durch den König. Wir hören nicht mehr, was er den Dabeistehenden erwidert, von seiner Entscheidung rückte er sicher nicht ab. Es erfolgt aber eine Antwort, die wie ein Sprichwort klingt und die Überzeugung Jesu ist: „Ich sage euch: Allen, die haben, wird gegeben werden. Von den nicht Habenden wird das, was sie haben, weggenommen.“ Es ist ein rätselhaftes Jesuswort, das sonst in einem anderen Zusammenhang vorkommt. Dort bezieht es sich auf das Hören der Guten Nachricht. „Im selben Maß, wie ihr hungrig seid nach diesen aufbauenden Worten, werden sie euch zugewiesen. Sie werden an Zahl zunehmen. Wer einmal etwas von der Guten Nachricht bereitwillig aufgenommen und angewendet hat, wirtschaften hat lassen, dem werden immer weitere freudige Einsichten gegeben. Wer keine der Worte hat und keine haben will, für den werden die wenigen, die er hätte, auch noch unbrauchbar.“ Siehe Mk 4,25. Lukas fügt an die Lehrgeschichte noch einen Satz an, der wohl nicht aus dem Mund Jesu stammt, deshalb nicht, weil Jesus immer auf einen positiven Ausgang seiner Erzählungen bedacht ist. Trotzdem ist der Schlusssatz traurige Wahrheit: Der König sagte: „Jetzt kommen noch meine Feinde dran, die nicht wollten, dass ich meine Königsherrschaft über sie aufrichte: Bringt sie her und schlachtet sie vor meinen Augen ab.“ (Der griechische Originaltext verwendet nicht das gebräuchliche Wort für „töten“, sondern das grässliche Wort „abschlachten, niedermetzeln.“ Lukas hat damit den jüdischen Krieg in den Jahren 67 – 70 n.Chr. vor Augen, der heraufbeschworen wurde, von den Hassreden jener Parteien, die immer stärkeres politisches Gewicht bekamen. Die einigenden und friedensstiftenden Bestrebungen Jesu im Land haben sie nicht angenommen. So sind kampferfahrene römischen Legionen einmarschiert und haben nicht gegen ein geschlossenes Heer der Juden gekämpft, sondern sie haben viele Widerstandsgruppen in Israel und zahllose Unschuldige aus der Zivilbevölkerung niedergemetzelt. Der jüdische Krieg war einer der grausamsten, den Rom je geführt hat.
Diese Lehr-Rede hatte zwei Schwerpunkte: 1. Jesu eigenes Schicksal 2. Die Aufgaben, die den Verantwortlichen seiner Nachfolge-Gemeinschaft/Kirche übertragen sind. Er selbst sah sich als der König, der in Kürze in ein weit entferntes Land reisen würde. Sein Sterben ist die Abreise. Von der jüdischen Führung war er angefeindet, sie wollte nicht, dass er die Herrschaft (das Reich Gottes) erlangte. Die höchste Autorität – sein göttlicher Vater – hat ihn trotzdem als König bestätigt. Er wurde aus dem Tod gerettet und erweckt. Nach einer gewissen Zeit wird sich sein Kommen ereignen und seine erste Handlung als strahlender Machthaber wird sein, dass er von jedem seiner Bediensteten sehen will, was sie gemacht haben mit dem Kapital, das er ihnen übertragen hatte. Der zweite Gesichtspunkt der Lehrgeschichte besteht in einer Mahnung an die Verantwortlichen: Macht etwas aus dem, was euch übergeben wurde.
Nun zur anfangs unbeantworteten Frage: Wie weit Matthäus diese anschauliche Lehrgeschichte Jesu abgeändert? Matthäus hat den Geldbetrag von einer Mine auf ein Talent gesteigert – das ist das 60fache. Wenn der erste 5 Talente bekommt, wären das umgerechnet 3 Millionen Euro. . Es mag dem Evangelisten Matthäus als literarische Freiheit erlaubt sein, die Textvorgabe zu übersteigern, um den Leser aufhorchen zu lassen. Die Königsepisode lässt Matthäus weg. Offenbar empfindet er es als unangemessen, die brutale Gewaltherrschaft des Archelaus mit der Königsherrschaft Jesu in Beziehung zu bringen. Der erschreckende Schluss bei Matthäus stammt ebenso wenig wie der des Lukas aus dem Mund Jesu: „Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.“ Es ist die Abschreckungs-Pädagogik des Matthäus, der stark im Judentum verwurzelt ist. Das Wort kommt weitere fünf Mal vor in seinem Evangelium.
Der warnende Ton bleibt dennoch zu beachten: Gewisse Verantwortliche in der Kirche glauben, es genüge, die Werte zu bewahren, zu erhalten, nichts zu verändern – sinnbildlich wickeln sie die hohen Werte in ein weiches Tuch ein. Sie haben dabei sogar ein schlechtes Gewissen, aber sie rechtfertigen sich damit, dass Gott ein strenger Prüfer sei. Diese konservierende Denkweise ist häufig verbunden mit einem angstbesetzten Gottesbild. Stattdessen könnte sie die in ihnen tiefsitzende Strenge herausfordern, um zu Taten zu schreiten. Gut, dass jene zahlenmäßig mehr sind, die das Wertvolle einsetzen und Kreise ziehen lassen. Sie reden nicht so lang wie die Bewahrer. Mit dem heutigen Evangelium werden besonders jene eine Freude haben, die bereits gute Erfahrung damit gemacht haben, das Anvertraute arbeiten zu lassen. Sie wissen, dass die Wirkkraft von Mal zu Mal zunimmt. Der Lebensantrieb durch das Evangelium steigert sich merklich. Der persönliche Gewinn in der Schule Jesu nimmt zu. Gerade diesmal konnten wir IHN „im Originalton“ sprechen hören und durften sogar nachempfinden, was IHN innerlich bewegt. Die erspürte Nähe zu IHM wirkt in unserem Herzen lange nach.