30. Juni 2019

13.Sonntag im Jkr

Mitgehen, wohin immer du gehst

Lukas 9, 51 - 62

Wenn wir das Evangeliumn von heute lesen, sind wir verwundert: Jakob und Johannes sind höchst verärgert darüber, dass ein Dorf in Samaria ihnen die Quartiere verweigert. Die Reaktion der beiden Jesus-Schüler ist: „Herr, willst du, dass wir sagen: Feuer wird  vom Himmel fallen und euch verschlingen.“ Nicht umsonst hat Jesus sie "Donnersöhne" oder "Strumgesellen" genannt. Eigenhändig das Dorf in Brand zu stecken, das würden sie natürlich nicht tun, aber es zu  verfluchen und den Himmel dafür zu Hilfe nehmen, dass es die Bewohner mit der Angst zu tun bekommen, dazu würden sie sich hinreißen lassen. Ja, das sehen sie als ihre Pflicht an. Wie reagiert Jesus darauf? Es heißt: "Da wandte er sich um und wies sie zurecht. Und er bestimmte, dass sie in ein anderes Dorf gingen."

Wir würden gerne wissen, mit welchen Worten Jesus sie zurecht gewiesen hat. Zu lesen ist es nicht, aber zu erahnen, wenn man in der Bibel die Fußnote beachtet: Der Fluch der beiden Jesus-Schüler ist ein Zitat aus dem Alten Testament. Da wurde der Prophet Elia von seinem König bedroht, weil er ihm die Wahrheit gesagt hatte. Der König schickte einen Hauptmann mit 50 Bewaffneten gegen den Propheten. Elia sagte nur: „Wenn ich ein Mann Gottes bin, so falle Feuer vom Himmel und verzehre dich und deine Fünfzig.“ Sogleich fiel das Feuer Gottes vom Himmel und verzehrte ihn und seine Leute. Jesus könnte also zu Jakob und Johannes gesagt haben: "Wessen Geistes Kind seid ihr? Hängt ihr immer noch dem alten Gottesbild nach, dass Gott mit Blitz und Donner drein fährt, wenn jemand etwas tut, was nicht in Ordnung ist, … nach eurer Meinung nicht in Ordnung ist."

Wenn man den See Genezaret mit dem Rad umrunden will, gibt es dafür einen anspruchsvollen Mountain-Bike-Trail. An der Nordspitze sind sogar Flüsse zu durchqueren - herausfordernd, aber ein Erlebnis.

So spannend war wohl auch das Mitgehen mit Jesus - und so spannend ist es bis heute. Nicht jeder will das, nicht jeder ist geeignet. Er bietet es nicht verbilligt an.

Das war das Gottesbild des Propheten Elia über 800 Jahren zuvor. Der hatte noch die Vorstellung: Gott ist im Sturm, Gott ist im Feuer, aber dieses Gottesbild war bereits überholt. Gott ist Sanftmut. Gott zeigt sich im sanft säuselnden Wind. (1 Kön 19,12) Vielleicht sagte ihnen Jesus: „Jetzt geht ihr schon so lange mit mir und habt mich noch nicht begriffen. Aber ihr werdet noch so weit kommen, dass ihr meinen Geist zur Gänze empfangen könnt. Er wird zwar wie Feuer aussehen, aber ist kein Feuer mit dem man jemandem unterheizt. Ich heize niemandem unter, nicht einmal, wenn er etwas tut, was mir missfällt. Mein geistiges Feuer dient der Verständigung. Es ist ein Feuer, das zum Miteinander Reden befähigt." Einige Wochen später erfasste dieses Feuer in Zungen jeden einzelnen – und es wurde eine überwältigende Verständigung möglich, sogar über Sprachbarrieren hinweg. Wir kennen diese erste Geistaussendung als Pfingstereignis – es ereignete 7 Wochen nach dem Hinscheiden Jesu. Dem folgten weitere, in denen die gläubig Gewordenen von dem Feuer der Verständigung erfasst wurden.

Keine drei Jahre später erfuhren die in Jerusalem versammelten Apostel, dass sogar Dörfer in Samaria das Wort Gottes angenommen hatten. So schickten sie Petrus und Johannes dorthin. Derselbe Johannes, der noch zu Jesu Lebzeiten im Samarie um ein tödliches Feuer vom Himmel beten wollte, betete jetzt in Samria gemeinsam mit Petrus um das Feuer der Freude, der Begeisterung, der Verständigung. Die Apostelgeschichte schildert es so: Denn der Geist Gottes war noch auf keinen von ihnen herab gekommen. Sie waren nur getauft auf den Namen Jesu, des Herrn. Dann legten sie ihnen die Hände auf und sie empfingen den Heiligen Geist. (Apg 8,14-17)

 

Das Lukas-Evangelium setzt nun fort mit drei Beispielen, was Jesus antwortet, wenn aus einem Zuhörerkreis jemand heraustritt und in seine Gefolgschaft aufgenommen werden will. Ein Erster bietet sich kühn und hochherzig an: „Ich möchte mich dir anschließen und ich verspreche dir, dich überall zu begleiten, ganz gleich, wohin du gehst.“ Jesus bedankt sich nicht für die mutige Bereitschaft, schon gar nicht sagt er: „Komm nur, ich brauche sowieso Nachwuchs.“ Stattdessen schildert er ihm die Bedingung, unter der er selber unterwegs ist: „Füchsinnen haben geschützte Höhlen, in denen sie ihren Nachwuchs großziehen. Die Vögel, die am Himmel mit ihren weiten Schwingen dahingleiten, haben ihr Nest in Felsnischen oder auf Schornsteinen. Das gehört ihnen ganz allein, dort können sie ungestört ihre Eier ausbrüten. Der Menschensohn ist kein Habender, er besitzt keine Behausung, ja nicht einmal ein Bett ist sein Eigentum, wo er sein Haupt hinneigen könnte.“ Die Einheitsübersetzung schreibt zwei Mal ungenau: „… er hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ Im Originaltext steht nicht: „er hat NICHTS / keinen Ort“, sondern „er hat NICHT“. Die Betonung liegt auf dem NICHT-HABEN. Jesus ist besitzfrei. Dass er keinen Platz findet zum Hinlegen, trifft ja nicht zu. Er schläft sehr wohl in Häusern und nicht wie ein Bettler auf der Straße. Im vorigen Absatz war von Quartiersuche die Rede. Statt „Haupt hinlegen“ steht „Haupt neigen“. Es ist dasselbe Wort wie beim Aushauchen am Kreuz: Jesus „neigte sein Haupt“ und übergab den Lebensatem. Während seiner Wanderschaft ist daher Jesus abends oft so erschöpft, dass er gerne seinen Kopf hängen lassen würde, aber den sicheren Unterschlupf dafür hat er nicht. Wir hören im Evangelium nicht, wie der Angesprochene reagiert. Ist ihm das zu anspruchsvoll oder will er gerade deshalb mitmachen?

Beim zweiten Beispiel lädt Jesus selbst jemanden zum Mitgehen ein. Der verlangt zuvor noch einen Aufschub: „Lass mich zuerst weggehen und meinen Vater begraben.“ Wenn Jesus ihm erwidert: „Lass die Toten ihre Toten begraben,“ ist das eine heftige Antwort – wie ist sie zu verstehen? Jesus ist ein Verfechter der Ehrung noch zu Lebzeiten. Bei Begräbnissen werden Lobeshymnen über Verstorbene gesprochen, die der Betroffene dringender im Leben gebraucht hätte: Worte der Wertschätzung und des Trostes. Wenn nur ein Teil derer, die zum Begräbnis kommen, ihn am Krankenbett besucht hätten, wäre das im Sinne des Lebens gewesen. Für den Verstorbenen zu beten ist zwar üblich, aber ergreifender und nachhaltiger wäre eine Gebetsrunde, die im Haus des Schwerkranken für ihn entsteht und später weiter gepflegt wird. Jesus gibt den Auftrag: „Du aber benachrichtige die Menschen landauf landab, dass das >Imperium des Lebens< begonnen hat.“  

Das dritte Beispiel verrät uns, wer ungeeignet ist. „Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr.“ In der Anrede „Herr“ klingt durch, dass dieser Satz nicht auf Jesu Lebzeiten beschränkt ist, denn da wurde er eher mit „Meister“ angeredet. Lukas schreibt aus dem Hintergrund seiner Zeit heraus, also 60 Jahre später und hinein in die Zukunft bis zu uns ins 21.Jahrhundert. Da wird Jesus mit „Herr“ angesprochen. Jesus zu Lebzeiten und >Jesus über die Jahrhunderte< hat einen Einwand gegen ein großes Abschiedsfest und erst dann sich ihm anschließen. Der Einwand lautet so: Folgende Interessenten sind allesamt untauglich: „Wer die Hand auf den Pflug drauf geworfen hat, sich also schon kräftig ins Zeug gelegt hat, aber gleich danach auf die Zurückgebliebenen blickt, ist ungeeignet für die Herrschaftsordnung, wo Gott regiert.“ Jesus verlangt den fest entschlossenen Blick nach vorne. Er weiß, dass die Angehörigen nachrufen:  „Du lässt dich zu sehr vereinnahmen.“ Wer immer wieder zurück blickt und sich darum kümmert, was >die anderen sagen<, was die zuhause Gebliebenen sagen, der ist ungeeignet für die Herrschaft Gottes.

Impressum

Mag. Martin Zellinger

Bibeltheologe, Reiseleiter & Eigentümer Lester Hof

Lest 1, 4212 Kefermarkt          e-mail: m.zellinger@aon.at         Telefon: +43 (0) 699 11 50 66 45

Datenschutz ©Martin Zellinger