Sonntagswort 2021 02 14

Abstand halten!  Jesus verhält sich anders.

Mk 1,40-45 Aussatz

 

Was können wir daraus lernen?

 

Wir sollten zunächst wieder sehr genau hinsehen und hinhören auf Wort und Verhalten Jesu und dann auch noch vergleichen mit den vorigen Heilungen und den noch folgenden. Niemals sonst ist davon die Rede, ob Jesus will. So sagt der Blinde in Jericho (Mk 10) nicht: „Wenn du willst, kann ich wieder sehen.“ Ebenso wenig ist bei irgendeiner anderen Erkrankungen das Wollen Jesu in Frage gestellt. Warum hier? Ist etwa dem Aussätzigen von jemandem berichtet worden, dass Jesus manchmal nicht will, obwohl er könnte? Oder hat der Hauterkrankte von seinen Landsleuten schon öfters erlebt, dass sie nicht wollen, obwohl sie könnten – ihn etwa menschenwürdig aufzunehmen oder zu versorgen? War er gar schon bei einer für Gesunden-Untersuchung zuständigen Amtsperson und die wollte ihn nicht für rein erklären? Ist er etwa selber überzeugt, dass er gar nicht aussichtslos krank sei, sondern dass er es durch das Wollen einer Autoritätsperson schaffen könnte? Hat er vielleicht selber den Funken Glauben, dass er gesund werden könnte, aber die Leute haben ihn abgeschrieben und wollen ihm keine Chance geben? Wir hinterfragen hier bewusst hartnäckige das Wollen.

Wie oft ist es schon vorgekommen, dass uns jemand um eine Hilfe gebeten hat, die zumutbar war? Wir hätten helfen können, aber wir wollten nicht. „Du musst nur kurz wollen. Mit deiner Hilfe würde ich es schaffen.“ So viele Heimatlose stehen vor den Grenzen Europas, aber den Regierungen mangelt es am Wollen. Sie könnten! Ja, sie hätten viele gute Möglichkeiten, aber sie wollen nicht. Das Evangelium hält uns das Bild eines Aussätzigen vor Augen. Auch wenn diese Krankheit aus medizinischer Sicht in Europa ausgerottet ist, bleibt die Aussagekraft von „Aussatz“ noch aktuell.  Es geht um das äußere Erscheinungsbild des Menschen. Es ist entstellt. Es ist verwahrlost. Solche Menschen werden aus der Gesellschaft ausgeschlossen, nicht hereingelassen, angeblich um sich selbst zu schützen. In Wirklichkeit sind die Gefahren sehr gering. Menschen hereinzulassen, die äußerlich anders sind, die andere Lebensgewohnheiten haben und andere Sprachen sprechen, bedrohen die behütete Gesellschaft nicht. So groß ist die Anstrengung nicht, sie „für rein zu erklären“, sie hereinzulassen in unsere Gesellschaft, ihnen zuzugestehen, dass sie hier Platz finden. Wir müssten nur Wollen. Jesus lehrt uns in dieser Heilung die Kraft des Wollens auf Seiten der Bessergestellten.

 

Für Jesus war es von den Vorschriften her eine Gratwanderung, den Aussätzigen heran zu lassen und dann gar noch zu berühren. Auch wenn damals die Ansteckung als Hauptgefahr gesehen wurde, gilt das aus heutiger medizinischer Sicht längst nicht mehr. Er war sich sicher, dass er niemand in Gefahr brachte. So übertrat er die Abstands-Vorschrift. Dem Menschen Mut zu machen, dass er gesund werden könne, war ihm wichtiger. Letztlich war es sogar zum Nutzen der Mitmenschen. Er tat aber alles im Stillen, unauffällig,  damit niemand wegen der Übertretung verunsichert würde: „Absolutes Stillschweigen!“ das schärfte er dem Mann ein. Er hätte sich daran halten müssen  - alleine aus Dankbarkeit. Er tat es nicht und schadete dem Ruf Jesu.  Was lernen wir daraus? Es kann Fälle geben, dass wir abwägen müssen, was jetzt Vorrang hat: Vorschrift oder Beistehen-Wollen. Selbst wenn wir unseren guten Ruf damit  gefährden, sollten wir so entscheiden, dass wir uns vor der größeren Autorität verantworten können als vor der Vorschrifts-Autorität. Möglicherweise bekommen wir dafür nicht einmal den gebührenden Dank. Sogar das sollte uns darin bestärken, künftig erst recht  zu „wollen“.