Lukas 2,22-40                     wörtliche Übersetzung, Erklärung

22 Als sich für sie die Tage der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung erfüllt hatten, brachten sie das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn darzustellen,

Als die Tage der Ganzreinigung sich erfüllt hatten – entsprechend dem Gesetz des Mose (Lev 12) , da brachten sie ihn nach Jerusalem hinauf, um ihn dem Herrn zur Verfügung zu stellen (nicht opfern, wie es Abraham 1800 Jahre zuvor aufgefasst hatte): Für den Herrn beiseite stellen, zur Verfügung stellen, anbieten.

Vergleichstext: Stellt eure Glieder nicht der Sünde zur Verfügung als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch Gott zur Verfügung als Menschen,  (Röm 6,13)

23 wie im Gesetz des Herrn geschrieben ist: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn heilig genannt werden.

Jedes Männliche, das den Mutterleib öffnet, soll für den Herrn heilig genannt werden, also ausgewählt für ihn, beiseite genommen für ihn.

Biblischer Ausgangstext: Der Herr sprach zu Mose: Erkläre alle Erstgeburt als mir geheiligt! Alles, was bei den Israeliten den Mutterschoß durchbricht, bei Mensch und Vieh, gehört mir. (Ex 13,2) Dann musst du alles, was den Mutterschoß durchbricht, vor den Herrn bringen; alle männlichen Erstlinge, die dein Vieh wirft, gehören dem Herrn. (Ex 13,12)

24 Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.

Auch wollte sie die Abgabe entrichten: Zwar kein Schaf, weil das für sie zu teuer wäre, stattdessen ein Taubenpaar oder 2 Jungtauben.

 

25 Und siehe, in Jerusalem lebte ein Mann namens Simeon. Dieser Mann war gerecht und fromm und wartete auf den Trost Israels und der Heilige Geist ruhte auf ihm.

Simeon war 1. gerecht: In der griechisch-römischen Welt ist dies das Modell des gewissenhaften Stadtbürgers: aufrichtig, rechtschaffen  2. fromm: In der Religion bedeutet es respektvoll sein Gott gegenüber

Er wartete auf den Beistand/ den Trost (=PARAKLET) für Israel ging

Vergleichstext: Josef von Arimathäa, ein vornehmer Ratsherr, der auch auf das Reich Gottes wartete, ging zu Pilatus (Mk 15,43)

erwarten = die Hände erwartungsvoll entgegen strecken, willkommen heißen

ruhte, sondern „war“ auf ihm

26 Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Christus des Herrn gesehen habe.

Er erhielt nicht eine einmalige Offenbarung, sondern es wurde ihm nach und nach mitgeteilt, er hat Hinweise erhalten, stellt sich immer deutlicher heraus gestellt, es hat sich erwiesen

Vergleichstext: Wenn sich herausstellt, dass eine Frau zu Lebzeiten des Mannes einem anderen gehört, wird sie Ehebrecherin genannt (Röm 7,3)

27 Er wurde vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern das Kind Jesus hereinbrachten, um mit ihm zu tun, was nach dem Gesetz üblich war,

Nicht „er wurde geführt“, sondern: Er „kam im Geist“ in das Heiligtum, gerade als die Eltern beim Hereinführen des Kindchens Jesus waren, damit sie mit ihm das taten, was gemäß den Gewohnheiten des Gesetzes  zu tun war.

28 nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten:

Er (betont!) war es, der es in die Arme nahm. Er sprach einen Lobpreis auf Gott und sagte:

29 Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, / wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.

Nun entlässt du deinen Knecht, du strenger Herrscher (nicht HERR, nicht KYRIOS, sondern DESPOTES). Du lässt ihn frei, sprichst ihn los – entsprechend deinem Wort.

Vergleichstext: Ihr Sklaven, ordnet euch in aller Ehrfurcht euren Herren (DESPOTES) unter, nicht nur den guten und freundlichen, sondern auch den launenhaften. (1Petr  2,18)

Vergleichstext: Erlasst einander (die Schuld), dann wird auch euch (die Schuld) erlassen werden. (Lk 6,37)

Simeon hat von scheinbar von Jugend auf, Gott nur als Ehrfurcht gebietenden Herrscher gelehrt bekommen. Jetzt wird er frei davon – das gibt ihm Frieden.

30 Denn meine Augen haben das Heil gesehen,

Heil = griech. SOTERION = Rettung – ein Begriff aus dem Christentum der 90er Jahren. In den ersten Jahrzehnten waren Worte wie „gerettet“ und „Retter“ gebräuchlich.

Vergleichstext: So sei euch nun kund, dass dieses Heil Gottes den Nationen gesandt ist; sie werden auch hören. (Apg 28:28) Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes. (Eph 6,17)

31 das du vor allen Völkern bereitet hast,

das du bereit hältst vor dem Angesicht der Nationen.

Jes 52,10 Der Herr macht seinen heiligen Arm frei vor den Augen aller Völker. Alle Enden der Erde sehen das Heil unseres Gottes.

32 ein Licht, das die Heiden erleuchtet, / und Herrlichkeit für dein Volk Israel.

Ein Licht zur Aufhellung (griech. APOKALYPSIS) der Völker, sodass ihnen vieles sonnenklar wird, und Glanz deines Volkes. Israel

Jes 49,6 Und er sagte: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, ... Ich mache dich zum Licht für die Völker; damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht.

33 Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden.

Nicht „sie staunten“, sondern sie waren verwundert, sie hatten damit nicht gerechnet, es war merkwürdig für sie.

Vergleichstext: Jesus aber gab keine Antwort mehr, so dass Pilatus sich wunderte. (Mk 15,5) Ich wundere mich, dass ihr euch so schnell von dem, der euch durch die Gnade Christi berufen hat, abwendet zu einem anderen Evangelium, (Gal 1,6)

Nicht „Worte, die über ihn gesagt wurden“, sondern „Gerede, lockere Äußerungen“ (griech LALEIN)

34 Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele zu Fall kommen und aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird,

Simeon sprach Segenswort über sie, die ganze Familie. Speziell zu Mariam, seiner Mutter, sagte er: Siehe! Er wird aufgestellt zum Fall und zur Auferstehung vieler in Israel und als Zeichen, dem widersprochen wird, dagegen geredet wird.

Alttestamentlicher Bezugstext: Er wird das Heiligtum sein ... der Stein, an dem man anstößt, der Felsen, an dem man zu Fall kommt. Eine Schlinge und Falle wird er sein für alle, die in Jerusalem wohnen. Jes 8,14

35 und deine Seele wird ein Schwert durchdringen. So sollen die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.

Durch deine Seele wird ein Schwert hindurch gehen. Du  wirst schwere emotionale Verwundungen erleiden. Schwert = Gericht: So sollen die innersten (=Herz) Gedanken vieler zum Vorschein kommen. APOKALYPSIS

 

Die beiden Äußerungen widersprechen sich: Vorher Friede – jetzt Schwert, vorher Glanz für Israel – jetzt kommen viele zu Fall in Israel. Möglicherweise ist die erste Aussage stark von Lukas geprägt, auf dem Hintergrund von Jesaja-Texten. Die zweite Aussage könnten mehr auf Original-Worten des Simeon beruhen.

 

 

36 Damals lebte auch Hanna, eine Prophetin, eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt;

Eine Frau wird als Prophetin anerkannt!

Als junges Mädchen hat sie geheiratet, so wie Mariam. Da steigen Erinnerungen bei der alte Frau auf und sie gibt der sehr jung Verheirateten ihre Weisheit weiter. Nur 7 Jahre mit Mann, dann Witwe – das trieb sie vielleicht an die Armutsgrenze.

37 nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.

Hartes Leben. Das Alter von 84 Jahre könnte symbolisch sein:  7x 12.

Nicht „sie hielt sich ständig im Tempel auf“, sondern wörtlich: „Sie wurde dem Tempel nicht untreu, fiel nicht ab vom Glauben,“ was eine Versuchung sein könnte bei diesen Schicksalsschlägen. Der Besuch Tag für Tag im Heiligtum war ihr ein Trost. Tag und Nacht zu fasten und zu beten, das war  ihr Gottesdienst ( Mit Fasten kann erlittene Hungersnot gemeint sein oder selbst auferlegte Entbehrung). Es war ihr Beitrag zur Sühne und Rettung Israels.

Vergleichstext: Sie nehmen das Wort mit Freuden auf; diese haben aber keine Wurzel; für eine Zeit glauben sie, und in der Zeit der Versuchung fallen sie ab. (Lk 8,13)

38 Zu derselben Stunde trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.

Sie stellte sich (wie zufällig) zur selben Stunde dazu. Sie begann mit einem Lobpreis Gottes. Dann machte sie Äußerungen (griech. LALEIN = locker reden) über das Kind vor allen die erwartungsvoll die Hände ausstreckten nach der Erlösung von Jerusalem.

 

39 Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück.

Als sie (=die Eltern) alles zu Ende geführt hatten gemäß dem Gesetz des Herrn, kehrten sie nach Galiläa zurück in die Stadt Nazaret.

40 Das Kind wuchs heran und wurde stark, erfüllt mit Weisheit und Gottes Gnade ruhte auf ihm.

Das Kind wuchs heran (Dasselbe Wort wird beim Wachstum von Gartenpflanzen und Bäumen verwendet). Jesus war also nicht das Wunderkind von Anfang an, der nichts dazu zu lernen hatte. Seine Stärke nahm zu. Er wurde erfüllt von Weisheit (das ist sowohl natürliche Bildung und Wissen als auch göttliche Weisheit). Das Wohlwollen Gottes war über ihm, er war ein begnadetes Kind.