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2. Sept. 2018

22.Sonntag i.Jahr

Schauspieler des Glaubens

Markus 7,1-23

Um Jesus sammelte sich eine Prüfungskommission von Streng-gläubigen und von einigen Rechtsgelehrten, die aus Jerusalem nach Galiläa angereist waren. Bei ihren Beobachtungen stellten sie fest, dass einige aus seinem Schülerkreis mit den gewöhnlichen Händen die Brotmahlzeit einnahmen, das heißt, sie hatten sich nicht gewaschen. Die Strenggläubigen – ebenso wie alle Juden – essen nämlich nicht, wenn sie nicht vorher mit einer Handvoll Wasser die Hände gewaschen haben. Das ist ein Beispiel, wie sie sich an die Überlieferung der Ältesten klammern. Auch wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, wenn sie nicht vorher im Wasser unter-getaucht sind. Es gibt viele andere Dinge, die sie angenommen haben und woran sie sich klammern, wie: Trinkbecher, Krüge und Kupferkessel im Wasser unterzutauchen. Da befragten ihn die Strenggläubigen und Rechtsgelehrten: „Warum gestalten die aus deinem Schülerkreis ihr Leben nicht nach den Vorschriften der Ältesten, sondern essen die Brotmahlzeit mit gewöhnlichen, alltäglichen Händen?“ Er aber sprach zu ihnen: „Wie treffend hat Jesaja euch Schauspieler im Voraus beschrieben: Dort steht geschrieben: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir. Es ist wirkungslos, wie sie mich verehren, weil sie als Lehren Menschengebote lehren. Ihr werft das Gebot Gottes über Bord und klammert euch an die Überlieferung der Menschen.“

Dann rief er die Leute wieder zu sich und sagte: „Hört mir alle zu und begreift, was ich sage: Nichts, was von außerhalb des Menschen in ihn hinein gelangt, verdirbt ihn und verschmutzt ihn. Es ist umgekehrt: Was aus dem Inneren eines Menschen nach außen dringt, das ist es, was den Menschen verdirbt und verschmutzt.“

Wie doch Jesus entschieden warnt vor Leuten, die sich als religiös und gläubig darstellen, aber damit in Wirklichkeit ein Schauspiel vorführen. Ein Schauspieler damals trug auf der Bühne eine Maske. Er zeigte nicht sein menschliches Gesicht, sondern ein künstliches. Wer so etwas in der Glaubensgemeinschaft tut, macht aus dem heilenden Gottesdienst eine wirkungslose rituelle Handlung. Schauspieler-Gläubige nähren sich nicht aus der Feier, sondern klammern sich an die genaue Form fest. Dieser erste Hinweis ist für die Religiösen gedacht. Auf etwas anderes macht er die Fern-stehenden aufmerksam: Wenn jemand mit beleidigenden Worten und haltlosen Beschuldigungen um sich wirft, beschmutzt er sich in erster Linie selber. Er stellt sich selbst ein Armutszeugnis aus. Viele durch Beschimpfungen Betroffene reagieren erbost und lassen sich zu ähnlich schmutzigen Worten hinreißen. Sie übersehen dabei, wie sehr sie sich selbst damit besudeln. Sie hätten das nicht nötig. Wann lernen sie, Schimpfkanonaden abprallen oder vorbei sausen zu lassen? Klar: Es tut weh, es wühlt auf, es reizt zur Vergeltung. Langfristig wäre es nützlicher, die Reinheit im eigenen Inneren zu schützen  und zu kultivieren. Nach den demütigenden Beflegelungen ist es unerlässlich, einen Ort des Friedens oder Freunde zum Trost aufzusuchen und sich den inneren Frieden wieder herzustellen und abzusichern.

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Das Theater in Sepphoris, der damaligen Bezirkshauptstadt von Galiläa, hat Herodes erbauen lassen als Jesus noch seinen Zivilberuf des Bauhand-werker ausübte.Vielleicht hat Jesus hier noch in seiner Jugend selbst Hand angelegt auf der Großbaustelle. Bei seiner späteren Lehrtätigkeit als Rabbi greift er gerne anschauliche Beispiele aus der Arbeitswelt auf. Es sind seine Gleichnisse.

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Schauspieler traten immer mit einer Maske auf. Jesus benützte nie Groß-veranstaltungszentern (Theater), um die Massen zu erreichen. Es hätte drei Theater gegeben im Land. Sie sind noch erhalten: Sepphoris, BetShean, Cäsarea. Er suchte die Dörfer auf, sprach in den Häusern, in den überschaubaren Synagogen und in der freien Natur.

Impressum

Mag. Martin Zellinger              Bibeltheologe, Reiseleiter, wohnhaft am Lester Hof bei Freistadt Oberösterreich

Lest 1, 4212 Kefermarkt          e-mail: m.zellinger@aon.at         Telefon: +43 (0) 699 11 50 66 45

„Sie gingen von dort weg“ – von wo weg? Dazu müssten wir das vorhergehende Ereignis lesen. Jesus hatte einen jungen Mann von seiner Selbstzerstörungskraft befreit. Sie steckte so tief in dem Mann, dass sie unzähmbar erschien. Jesus bezwang sie trotzdem und das erregte großes Aufsehen. Mit Sensation, Schaulust und Bewunderung hatte Jesus nie Freude, jetzt erst recht nicht, denn er hatte schon den Weg nach Jerusalem eingeschlagen, wo ihn schweres Leiden erwartete. „Sie zogen durch Galiläa“ ist ungenau übersetzt. Wörtlich heißt es: „Sie gingen vorbei durch Galiläa“. Das heißt: Am Weg durch Galiläa wichen sie jeder Siedlung aus. Sie mieden Begegnungen. Das sind wir von Jesus nicht gewohnt. Warum verhält er sich so kontaktscheu?

Er wollte sich auf seinen Schülerkreis konzentrieren. Er sah das bevorstehende Drama auf sich zukommen und musste seine Vertrauten darauf vorbereiten. Einen ersten Versuch, sie aufzuklären, hatte er schon gemacht. Das hatte jedoch nur dazu geführt, dass Petrus versuchte, ihn davon abzubringen. Es war für Jesus klar, dass sie Zeit brauchten, um es zu verstehen.  Er sagte es ihnen also ein zweites Mal, aber nicht bloß in ein paar Bemerkungen, sondern er lehrte sie. Er klärte sie auf. Er schilderte ihnen die näheren Umstände. Beim ersten Erklärungsversuch hatte er sich als „Menschensohn“ bezeichnet, das tat er jetzt wieder. Er sprach von sich nicht als „Sohn Gottes“, auch nicht „Messias“, sondern als „Sohn der Menschheit“. In der ersten Ankündigung nannte er die  ihm schadenden Personen, es waren  die Religionsverantwortlichen. Sie würden ihn verwerfen und töten. Diesmal – in der zweiten Ankündigung – ging es um den Auslieferer, also um den, der ihn jenen in die Hände spielen würde, die den Tötungsplan hatten. Jesus  spricht nicht mehr vom „Muss“. Der ihn ausliefert, der muss das nicht tun, er tut es aus eigenem Entschluss.

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