31.Mai 2021      Dreifaltigkeits-Sonntag

"Ich bin mit euch - ja, mit!"

Matthäus  28,16 - 20

Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder, einige aber hatten Zweifel. Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Mit diesem Text gipfelt das Matthäus-Evangelium und kommt zu seinem krönenden Abschluss. Jedes der vier bekannten Evangelien wählt andere Schlussszenen. Für Mattäus ist der Berg ein wichtiger Schauplatz. Berühmt ist seine sogenannte Bergpredigt, die in Wirklichkeit ein Lehre ist. Er überhöht darin die 10 Gebote, die Mose von Gott am Berg übermittelt bekommen hat, in den acht Seligpreisungen und den daran anschließenden "Neuen Thesen" - auch am Berg. So lässt er als einziger der vier Evangelisten den auferstandenen Jesus auf einem Berg vor die Jünger treten.

Wenn wir fragen, welcher Berg damit gemeint ist, haben wir Matthäus missverstanden: Er ist jüdischer Schriftgelehrter und meint keinen bestimmten, sondern den Berg als Ort der Gottesbegegnung wie bei Mose: "Am dritten Tag wird der Herr vor den Augen des ganzen Volkes auf den Berg Sinai herabsteigen" (Ex19,11).  Die Jünger gingen nach dem tragischen Pascha-Fest (das wir Ostern nennen) zurück in ihre Heimat Galiläa. Dort hatte der Weg mit ihrem Meister begonnen - drei Jahre zuvor. "Galiläa" - das hatte der Auferstandene den Frauen am Ostermorgen genannt:

"Und siehe, Jesus kam ihnen entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen." (Mt 28,9–10) Im Munde Jesu ist keine Rede vom Berg, der stammt aus der Feder des Matthäus.

Als sie Jesus sahen,  hatten sie Zweifel. Es heißt nur, dass sie ihn sahen. Aber, ob er "kam" (wie im Johannes-Evangelium) oder "erschien", das wird nicht gesagt. schreibt. „Einige“ hätten Zweifel gehabt, schreibt die Einheitsübersetzung. Damit verharmlost sie leider den Originaltext, in dem es wörtlich heißt: "Sie (!) hatten Zweifel"

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Die Stadt Antiochia am Orontes war für Paulus und Barnabas Ausgangspunkt der ersten Missionsreise. Dorthin kehrten sie auch zurück und von dort starteten sie zur zweiten. Wahrscheinlich lebte auch der Evangelist Matthäus hier.

Die menschlichen Zweifel überwiegen gegenüber der geschenkten Begegnung. Matthäus lässt es offen, woran und weshalb die Schüler zweifeln. Er gesteht somit auch den Lesern zu, dass sie zweifeln.

Vom Widerstand gegen die Behauptung "Wir haben den Herrn gesehen" weiß auch das Johannes-Evangelium zu erzählen:

Thomas war nicht dabei als ER kam. Deshalb sagte er: Wenn ich nicht sehe ... und nicht angreifen kann, glaube ich nicht (Vgl. Joh 29,24f) Woran zweifeln sie? Vielleicht, ob dieses „Ihn-Sehen“ nur noch ein kümmerliches Aufflackern ihrer Sehnsüchte sei, aber keine kraftvolle Wirklichkeit.

Dem gegenüber dürfen die Schüler Jesus 2 Erfahrungen machen :
1. Er nähert sich. Er tritt auf sie zu. Von ihm geht die Initiative aus, sodass sie ihre Schwäche überwinden . Sie dürfen seine Nähe spüren.
2. Von ihm geht Stärke aus.  Er hat uneingeschränkte Verfügungsgewalt - alle Vollmacht - über Geistiges und Materielles - also im Himmel und auf der Erde. Er nimmt Einfluss auf Spirituelles und Körperliches. Er ist dazu ermächtigt, das wurde ihm gegeben und er gibt die Macht weiter.

Dann erfolgt sein dreistufiger Auftrag: 1.Stufe: Macht euch auf den Weg, bleibt also nicht in Häusern sitzen, denn ihr müsst die unterschiedlichen Bevölkerungsschichten erreichen. Nehmt hautnah teil an ihrem Leben, sodass sie Lust bekommen, von eurem Geheimnis mehr zu lernen. Weckt ihre Neugierde, ihre Lernfreude. Macht sie zu Lernenden. 2.Stufe: Sobald sie den Wunsch äußern, zur Christusfamilie zu gehören, zu eurem Kreis, dann nehmt sie als Geschwister auf. Der Aufnahmeritus soll bei euch das Untertauchen in Wasser sein.  Dabei sprecht feierlich den Gottesnamen aus, welcher so lautet: „Vater, Sohn und Heiliger Geist“ Es gibt also drei Gotteszugänge, die gleichermaßen gelten. Auf diesen dreifachen Namen werden sie getauft. ( Paulus erklärte noch, dass wir alle „auf Christus getauft“ sind. Das war 30 Jahre zuvor im Jahr 55. Die Taufformel der Achtziger Jahre - der Zeit des Matthäus - war schon verändert. Der Taufritus machte also eine Entwicklung durch.) 3.Stufe: Vertieftes Lehren! Begnügt euch nicht damit, dass die Interessenten jetzt Mitglieder sind, dass sie beigetreten sind, dass sie der Gemeinschaft angehören. Betreut sie noch weiter und macht sie umfassender vertraut mit meiner Lehre. Stärkt sie, wenn sie in Gefahr kommen. Besteht vor allem darauf, meine Lebensregeln in die Tat umzusetzen.  Wissensvermittlung, Kenntnis von Glaubenslehren, Besuch von Gottesdiensten genügt nicht. Meine Zielvorgaben sollen befolgt werden. Das Erlernte muss angewendet und im Leben verwirklicht werden.

"Wenn ihr die Augen aufmacht, siehe, dann werdet ihr mein Mitgehen erkennen, ihr werdet mein Begleiten deutlich spüren . Ihr werdet erleben, dass ich mit euch unterwegs bin - gerade wenn ihr auf die Menschen zugeht, die euch brauchen, eure Zuwendung brauchen. Mein Mitgehen wird nie aufhören, Tag für Tag werdet ihr von neuem erleben, wie ich mit euch bin – so lange, bis die Weltepochen ihr Ziel erreicht haben."

Was in dieser Schlussszene des Matthäus-Evangeliums aufleuchtet, das gilt nicht nur den Beauftragten des ersten Jahrhunderts, sondern es strahlt bis in unserer heutige Zeit herein. Wer sich schon einmal darauf eingelassen hat, der wird es bestätigen: Es ist kein frommer Wunsch, sondern bewahrheitet sich. Er ist mehr als nur BEI uns, wenn wir uns zu seiner Verehrung zusammen gefunden haben. Er ist MIT uns, wenn wir aufbrechen aus unserer Komfort-Zone und uns überraschen lassen, auf wen wir stoßen. Dann wird er MIT uns gehen. Wir können uns auf seine Vollmacht verlassen, wir können auf seine Stärke zurückgreifen. Je öfter wir das Wagnis eingehen, desto mehr wird sich bestätigen, dass ER bei dem Abenteuer MIT  dabei ist.