7. Juni 2020

Dreifaltigkeits-Sonntag

Das Schlüsselthema: Sich ihm anvertrauen

Joh 20,19-23

Gott hat die Welt so sehr geliebt, ... Wer nach dem Ursprung der Welt fragt, bekommt recht verschiedene Antworten. Ebenso vielfältig sind die Antworten, wenn man fragt, welches Prinzip die Welt vorangetrieben hat über Milliarden von Jahren – angefangen von den primitiven Lebensformen bis zum höchst entwickelten Lebewesen, dem Menschen. Manche sagen, die Entwicklung verlief nach dem Zufallsprinzip, andere behaupten, es war das Prinzip der Rücksichtslosigkeit: Stärkere setzen sich immer durch. Wir sagen: Es war die Kraft der Liebe, von der die Evolution in Gang gesetzt und dann auch vorangetrieben wurde. Sie war das nachhaltig wirksamste Prinzip. Wir können es „Gott“ nennen.

... dass er seinen einzigen Sohn hingab Im Lauf der Geschichte traten etliche große Persönlichkeiten auf, die weise waren und sozial engagiert, wegweisend für ganze Volksgruppen. Nur einer lebte das Prinzip der Liebe durchgängig überzeugend und ließ sich davon nicht abbringen, nicht von den schärfsten Gegnern. Wenn er gegen diese Feindseligen den Spieß umgedreht hätte und ausnahmsweise doch zur Gewalt gegriffen hätte, wäre er dem allumfassenden Prinzip Liebe nicht vollständig treu geblieben. Er suchte stets die Übereinstimmung mit seinem Ursprung, den er VATER nannte. Somit können wir ihn den SOHN nennen. Hörend auf das Prinzip Liebe, auf den VATER, ließ er sich ganz darauf ein, gab er sich vollkommen hin.

Wenn sich auch noch so bedrohliche Gewitterwolken im Leben zusammen brauen: Jeder der sich IHM anvertraut, wird nicht verloren gehen. Es kann ihn nichts aus der Bahn werfen.

...  damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Sein Weg der Liebe bis zum Äußersten bestärkte viele, sich ihm anzuvertrauen. Viele haben sich ganz darauf verlassen, dass sein Weg auch für sie selbst richtig sein würde. Sie haben in seiner Schule gelernt, dass das Vertrauen zu ihm der sicherste Schutz ist. Er verhindert, vom Weg abzukommen oder gar im Leben abzustürzen. Wer ihm volles Vertrauen entgegen bringt, den kann nichts aus der Bahn werfen. Selbst der Tod kann ihm nichts anhaben. Der Schüler des SOHNES gewinnt ein Leben, das unerschütterlich ist.

Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Dieser SOHN DER LIEBE war geprägt von einem Gottesbild und Glaubensverständnis, in dem nicht mehr die Gebote im Vordergrund standen. Sein Gott überprüft nicht ständig, ob ein Mensch Gebote übertreten hätte. Er erhebt nicht ständig den Zeigefinger und teilt nicht rundum Strafen aus. Gottes Hauptanliegen ist es, einzelne Menschen zu retten – nicht nur einzelne Menschen sollten gerettet werden, sondern auch ganze Familien, ganze Sippen, Völker, ja die Welt. Dieses neue Gottesbild hat der SOHN seiner Nachfolge-Gemeinschaft beigebracht: Für sie wurde klar: Rettungsmaßnahmen sind gefragt, nicht das Aburteilen von Fehltritten.

Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat Wer ein Zutrauen zum SOHN aufgebaut hat, der wird nicht mehr überprüft nach Versagen und Versäumnissen. Er hat erfahren und weiß daher, dass ihm so oft wieder eine Chance gegeben wurde, um Fortschritte zu machen. Wer hingegen von dem Prinzip der Liebe nichts hält, wer sich ihm nicht anvertraut, der bleibt im Weltbild von Geboten und Übertretungen und wird danach auch bemessen. Der SOHN DER LIEBE hat einen Namen. Nach diesem Namen benennt sich mittlerweile eine ganze Bewegung. Ein ganzes Netzwerk von Kleingruppen hält sich an diesen Namen. Sie sind gerettet.

 

Diesen kurzen Lehr-Text aus dem Johannes-Evangelium so auszulegen, mag sehr philosophisch, für manche sogar abgehoben klingen. Das stimmt. Die Lehrsätze kreisen um die Kernaussage: „Wer an ihn glaubt, ...“ „Wer glaubt ... wer nicht glaubt“. Wir sollten das nicht als ein "Glauben" im dogmatischen Sinn verstehen, auch wenn das über lange Jahrhunderte so vorgeschrieben war und so geschehen ist. Die Geschichte der Trinitätslehre (Dreifaltigkeit) führt das anschaulich vor Augen. Siehe dazu das Sonntagswort vor 1 Jahr.

 

Zahllose kirchliche Gelehrte haben Abhandlungen geschrieben und die religiöse Volkskunst hat Zerrbilder über das Land verbreitet. Jetzt ist die Zeit reif, dass wir zum ursprünglichen, biblischen, hebräischen Wortsinn von „glauben“ zurückkehren: Vertrauen, sich ihm anvertrauen, ihm Großes zutrauen, sich auf ihn einlassen und dann zuversichtlich eigene Schritte setzen, weil er vertrauenswürdig ist. Wer sich für den Mann mit dem NAMEN Jesus näher interessiert und ihm Vertrauen entgegen bringt, der wird ein neues Gottesbild kennenlernen, ein väterlich wohlwollendes Gottesbild. Es wird das eigene Selbstvertrauen stärken. In dem vertrauten Kreis von weiteren Lernenden  wird sich die Geistkraft spürbar machen, die auf diesen Jesus zurückgeht. Sie wird sich in der Runde zu Wort melden, wird trösten und den Mitgliedern der Gruppe Hilfestellungen geben, dass sie auch Schwierigkeiten bestehen und  zu weiteren Einsichten kommen.

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Mag. Martin Zellinger

Bibeltheologe, Reiseleiter & Eigentümer Lester Hof

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